Jasper Quast

Aktien/Politik/Wirtschaft

Small Cap Anleitung: Wie findet und investiert man in kleine Unternehmen?

Nach meinem letzten Artikel erreichte mich die Frage, ob ich nur in große Unternehmen (Large Caps) oder auch in kleinere (Small Caps) investiere und dabei kam mir die Idee mal niederzuschreiben (und herauszufinden), wie man das überhaupt macht!

Warum sollte man in kleinere Unternehmen investieren?

Small Caps weisen historisch höhere Renditen auf. Je nach Betrachtungszeitraum schlagen Small Caps die Large Caps um 1-5% (was über die Jahre einen gigantischen Unterschied macht) und die Gründe dafür sind logisch und nachvollziehbar:

      • Kleine Unternehmen können flexibler auf Veränderungen eingehen und Strukturen schneller ändern, als große Unternehmen. Was die Economies of Scale für die Large Cap Jumbo Jet´s sind, ist die Wendigkeit für Small Cap Düsenjäger!
      • Small Caps haben in der Masse ein größeres Wachstumspotenzial, schließlich sind hier auch die nächsten Mid und Large Caps vertreten.
      • Small Caps sind häufiger in Eigentümerbesitz und agieren damit eher langfristig orientiert.

Ich möchte hier ein Beispiel bringen, das mir gerade durch den Kopf geht. Ich habe vor kurzem im Netz einen Clip aus der Sendung „Die Höhle der Löwen“ gesehen, in der junge Unternehmer ihr Geschäftsmodell vorstellen und Geldgeber suchen.

Nun stellte ein Paar Strumpfhosen vor, die relativ günstig und dennoch unheimlich modisch und reißfest (!!) waren. Ein Jurymitglied, dass selbst viele Textilien vertreibt war begeistert von der Qualität und es fand sich tatsächlich ein Geldgeber.

Was hat das nun mit Small Caps zu tun? Ganz einfach! Wäre ich das Jurymitglied müsste ich mich fragen:

„Erwerbe ich Anteile an einem Modekonzern, der verlässlich jedes Jahr Hunderttausende Strumpfhosen verkauft und mir 6-8% Rendite einbringt oder investiere ich in dieses StartUp? Den relativ sicheren 6-8% steht ein Geschäftsmodell mit riesigen Chancen gegenüber. Mit der richtigen Vertriebsstrategie und den richtigen Kontakten können aus ein paar hundert Verkäufen im Jahr auf einen Schlag Zehntausende werden! Ich habe also das Potenzial aus den 20.000€, die ich für 20% der Firma zahle einen Wert zu generieren, der bei dem Vielfachen liegt. Jedoch: Dieses Potenzial gibt es nicht geschenkt! Was ist, wenn einer der großen Hersteller das Potenzial erkennt und nach kurzer Zeit ebenfalls eine solche Strumpfhose herstellt? Der Wettbewerbsvorteil wäre dahin!“

Nun ist der Investor aus der Sendung ein „Big Boss“ im Vertrieb von verschiedensten Konsumgüterartikeln und hat, wie ich neulich bei Penny entdeckte, seine Kontakte spielen lassen und selbst dort die besagte Strumpfhose in das Regal bekommen! Er hat eine Firma gekauft, die er mit seinen Kontakten innerhalb kürzester Zeit von der Garage bis in die Supermärkte brachte.

Für ihn war klar, dass dieses Investment sich lohnen würde, eben weil er ein großer Player in diesem Markt ist. Dieses Glück haben wir leider nicht und das bedeutet wir müssen genauer hinschauen, als es dieser Löwe tut!

Waren Buffet gab kürzlich damit an, er könne locker 50% Rendite im Jahr machen, wenn er mit Berkshire nicht so ein großes Schiff bewegen müsste.

Warum halten sich viele Investoren von Small Caps fern?

      • Große Player können aufgrund des geringen Volumens garnicht effizient in Small Caps investieren, weil sie damit den Wert der Aktie zu stark beeinflussen würden.
      • Die Liquidität ist zu gering für größere Player.
      • Es erfordert mehr Recherchearbeit, weil weniger Quellen verfügbar sind als z.B. zu Nike. Nennen wir es Informationsmangel / Informationsunsicherheit.
      • Die meisten professionellen Anleger handeln Large und Mid Caps, weil ihre Arbeitgeber Mindestkriterien vorgeben, die Small Caps ausschließen.
      • Das Risiko ist höher, weil z.B. größere Unternehmen in den Markt einsteigen können (Daher ist ein Burggraben wichtig)!
      • Small Caps sind in kaum einem wichtigen Aktienindex vertreten. Wer kennt schon de Russell 2000 aus meinem letzten Beitrag?

Wie finde ich interessante Small Cap Aktien?

Um überhaupt interessante Unternehmen zu finden, die man sich dann gegebenenfalls genauer anschauen kann, bietet sich ein Aktienscreener an. Ich finde den von Onvista ganz gut. Dann klappert man grundlegende Kriterien ab, die natürlich bei jedem variieren können.

http://www.onvista.de/aktien/finder/

Das Grundkriterium sollte die Größe sein, daher lege ich fest, dass ich Unternehmen suche, die z.B. zwischen 50 und 1.000 Millionen € Marktkapitalisierung aufweisen. Interessant ist wohl alles unterhalb von einer Milliarde, weil in den oberen Bereichen schon die ersten Fonds grasen.

1. Die Mitarbeiterzahl! Ein Unternehmen, dass so viele Millionen bewegt sollte in der Regel Mitarbeiter haben, ansonsten ist das Betrugsrisiko sehr groß. Es gibt Geschäftsmodelle, die mit wenigen Mitarbeitern funktionieren wie z.B. die Deutsche Euroshop AG mit 4 Mitarbeitern, aber wir wollen ja schonmal grob filtern 🙂

2. In welchen Regionen möchte ich schauen? Das kann zum Beispiel steuerlich interessant sein. Ich persönlich möchte nur in Ausnahmefällen in Small Cap Einzeltitel investieren, daher kommen für mich eigentlich nur deutschsprachige Titel in Frage, da ich den persönlichen Kontakt zum Unternehmen nutzen können möchte. Für extrem flüssige Fremdsprachler bedeuten ausländische Unternehmensbeteiligungen in diesem Bereich sicher weniger Aufwand, das muss aber jeder für sich selbst entscheiden!

3. Die Profitabilität! Das ist bei der Suche ein zweischneidiges Schwert, da man mit einer hohen Umsatz- oder Gesamtkapitalrendite Unternehmen ausschließt, die gerade extrem wachsen und besonders interessant sind. Dadurch, dass sie jeden verdienten Euro investieren, würden wir sie direkt herausfiltern. Ich mache es jedoch trotzdem, da ich ein solides Geschäftsmodell erwarte, wenn ich mich schon an einem kleinen Unternehmen versuche. Cashflow muss sein.

4. Die Stabilität! Mir ist wichtig, dass das Unternehmen nicht schon bei einem kleinen Windhauch oder Konjunktureinbruch umfliegt. 30% Eigenkapitalquote sind das absolute Minimum für mich.

5. Der Preis! Hier kann man grundlegend komisch bewertete Unternehmen rausfiltern. Ich möchte ein gesundes KGV und stelle daher alles außerhalb von einem 10-25er KGV aus.

6. Später kann man sich die Eigentümerstruktur anschauen, denn sie kann verraten, wie attraktiv eine Unternehmensbeteiligung ist. Warum sollte ich ein Unternehmen erwerben, dass die Gründer und Vorsitzenden nicht selbst zu einem angemessenen Teil besitzen? Insider sollten an das Unternehmen glauben und selbst ein paar Prozent der am Unternehmen beteiligten Personen ausmachen.

7. Ist alles erledigt, man hat gute Zahlen, den Jahresbericht gelesen und ein gutes Gefühl, dann geht es an den interessantesten Schritt und großen Vorteil von Small Caps! Erreichbarkeit! Bei so kleinen Unternehmen ist es sehr viel einfacher einen Chef an den Hörer zu bekommen oder Antwort per Mail zu erhalten. Hier sind wir beim Kern der ganzen Sache: Spaß! Hier ist man wirklich Detektiv und forscht auf unbekannten Pfaden!

Variationen:

Es ist im Grunde genommen wie bei der normalen Aktienrecherche auch, je nachdem wonach man sucht, muss man auch filtern. Geht es mir zum Beispiel in erster Linie um einen guten Preis schaue ich nach:

      • Kurs-Buchwert-Verhältnis < 2
      • Eigenkapitalquote ab 50%
      • KGV < 16
      • Umsatzwachstum konsequent über 10%

Suche ich wiederum nach besonders rentablen Unternehmen, so schaue ich z.B. nach:

      • Gesamtkapitalrendite > 8%
      • Umsatzrendite > 10%
      • Eigenkapitalquote > 30%

Man kann auch ganz gezielt nach besonders niedrigen oder sogar negativen KGV´s suchen, weil man hier Unternehmen in besonderen Situationen findet. So kann man Perlen finden, die gerade eine Krise durchmachen. Kombinieren könnte man den Filter dann mit einer hohen Eigenkapitalquote, um auch Unternehmen zu finden, die mit einer Krise umgehen können.

Ab in die Praxis: Wie suche ich nach Small Caps?

Ein Beispiel für den Filter:

      • KGV zwischen 12 und 17
      • Marktkapitalisierung zwischen 30 Millionen und einer Milliarde €
      • Eigenkapitalquote >30%
      • Gesamtkapitalrendite >6%

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Hier sind direkt mehrere Unternehmen, die einen Blick Wert sein könnten! Mein heimlicher Small Cap Favorit scheidet leider aufgrund seines KGV´ s aus… Die Washtec AG liegt momentan bei über 21. Dennoch springen mir hier einige Kandidaten ins Auge!

      1. BET-AT-HOME.COM AG (Wie lässt sich ein Online Casino bewerten? Lernen und dann recherchieren!)
      2. GFT (Geschäftsmodell das wachsen sollte wie Unkraut: „Informationstechnik-Dienstleister für Banken. Zu den angebotenen Produkten zählen insbesondere Lösungen für die Umsetzung regulatorischer Vorgaben und die Digitalisierung von Geschäftsprozessen.“ –> Hohe Wechselkosten + Hoher Bedarf!)
      3. 888 HOLDINGS (Siehe 1.)
      4. IFA SYSTEMS AG (Ein interessantes Business mit hohen Wechselkosten! Recherchieren!)
      5. Gerry Weber (Ein potenzieller Turnaroundkandidat nach über 60% Kursverlust? Recherchieren!)

Und jetzt? Wie geht es weiter?

Nun habe ich eine Grundlage, um mich mit diesen Unternehmen zu beschäftigen! Der nächste Schritt ist für mich dann die genaue Sicht der Kennzahlen, z.B. auf www.ariva.de:

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Stimmen die Zahlen mich fröhlich schaue ich mir die Jahresberichte an und mache mir ein größeres Bild.

  • Wie stellt sich das Unternehmen selbst dar?
  • Wie ist der gesamte Markt aufgestellt?
  • Was machen Konkurrenten?
  • Wie ist z.B. beim Glücksspiel die rechtliche Situation?

Meine erste Anlaufstelle?
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Auf www.sharewise.com kann man sich bei Bedarf die Unternehmenskennzahlen vieler Unternehmen historisch und im Vergleich zur Konkurrenz anschauen. Hier ist das Beispiel für BET-AT-HOME.COM:

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Fazit:

  • Small Caps haben gewisse Vor- & Nachteile, die man abwägen muss.
  • Die Recherche kann großen Spaß machen.
  • Man lernt unternehmerisch zu denken, da man bei kleinen Unternehmen meist ein konzentriertes Geschäftsmodell hat. Es ist eben einfach leichter zu erklären, was BET-AT-HOME.COM oder Washtec machen, als über BASF oder die Commerzbank zu sprechen.
  • Die Chance von Überrenditen ist in diesem Aktiensegment bedeutend höher, da hier die Effizienzmarkthypothese besonders wenig greift.
  • Viel Arbeit kann hier auch viel Ertrag bedeuten, wenn einem langfristig ein paar Prozent mehr Rendite wichtig sind und man Spaß dabei hat, dann ist es einen Versuch Wert! Nur bitte nicht mit dem ganzen Portfolio 😉
  • Ich investiere lieber in Small Cap ETF!
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6 Kommentare

  1. Hallo Jasper,

    dein Stil entspricht größtenteils dem Meinem, auch wenn ich kleinere Abweichungen habe. Also z.B. macht es für mich keinen Sinn, einen Mindest-KGV von 12 anzunehmen.

    Was mir an Small-Caps gefällt, ist, dass sie meist wesentlich schlankere Geschäftsberichte haben und zusätzlich oft übersichtlichere Geschäftsfelder. Da fällt dann die Konkurrenzanalyse auch meist weniger umfangreich aus…

  2. Wow, ich habe mir den Artikel mit großem Interesse durchgelesen. Ich bin jetzt bereit ca. 300-400 Euro im Monat zu investieren. Was würdest Du mir in diesem Fall raten?

    • JasperQuast

      Januar 8, 2017 at 22:13

      Hey Kai,
      ich möchte hier keine Anlageempfehlungen aussprechen, aber es gibt klassische ETF-Portfolios, die sich leicht besparen lassen. Ich schreibe dir Tage einen Beitrag in dem ich mich damit auseinandersetze, wie man ein einfaches ETF Portfolio aufbauen kann. Allerdings sollte man sich das Wissen stets aus verschiedenen Quellen zusammensuchen 🙂
      Denke bis Mittwoch wirst du hier fündig 😀

  3. Starker Artikel! Vielen Dank hierfür!

    Sehr gut gefallen hat mir die Vorgehensweise und die passenden Tools hierzu. Gerne mehr in der Richtung, welche Websites / Tools etc. du benutzt und wie du sie bedienst!

    Gute Anregungen im deutschen Small-Cap-Bereich gibt auch die Empfehlungsliste von intelligent-investieren.de.

    Ich habe für mich auch schon den anderen Titel gesichtet der mich interessiert und später mal bewertet wird.

    Interessieren würde mich noch, was du den Chef eines Unternehmens alles fragen würdest, wenn du ihn wirklich an den Hörer bekommst? Gerade in Zeiten des Internets sehe ich einen potentiellen Informationsnachteil bei kleinen Aktiengesellschaften / Nebenwerten / Small-Caps nicht… Etwa du?

    • JasperQuast

      Januar 8, 2017 at 22:23

      Hey emexy!
      Danke für den Link, sieht interessant aus.
      Fragen würde ich spezifische Dinge, bei einem Hugo Boss Vorstand würde ich fragen zur Filialpolitik und dem US- und Chinageschäft stellen. Bei Washtec würde ich über die Zukunft in Amerika und Asien sprechen und mir ein Bild von den Expansionsabsichten machen.
      Das variiert von Unternehmen zu Unternehmen.
      Der Informationsnachteil ist eklatant, da man nach wie vor über kleine Unternehmen kaum etwas findet, während es viele sehr tiefgehende Analysen, Statistiken und Zahlen zu Apple, Disney oder BASF gibt. Welche Titel findest du denn interessant und weshalb?

  4. Hallo Jasper,

    toller Artikel! Das wäre dann ein Hobby, wenn man durch die Erträge seiner anderen Investments mehr Zeit zum recherchieren hat.

    Mir ist es definitiv zu mühsam und ich würde eher auf die ETF-Variante zurückgreifen.

    Gruß,
    Marco

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