Mein Aktuelles privates Depot ohne Angabe von Mengen, dafür aber den Gründe, warum ich gekauft habe.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ich einen Buy-&-Hold-Ansatz verfolge. Ich mache kurze und knackige Fundamentalanalysen und kaufe nicht, wenn Geld da ist, sondern gute Gelegenheiten. Ebenso verfahre ich mit ETF. Ich sehe replizierende ETF als Grundierung meines Portfolios, kaufe aber auch hier nur bei einer günstigen Bewertung. Liegt der KGV eines ETF-Index unter 16 kaufe ich, gerne auch als Sparplan. Das stupide ETF-Sparplan durchziehen, egal wie hoch die Kurse sind, mache ich nicht mit. Ich kaufe Aktien nur günstig und genau so mache ich es auch mit ETF.

Ich nutze vor allem Comdirect für meine Aktiengeschäfte und empfehle diese Online-Bank daher gerne weiter:

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Start des Portfolios: Mitte/Ende 2014, nur die Commerzbank hatte ich leider schon früher 🙂

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Einzelwerte:

1. Commerzbank, die Jugendsünde:

Zum Investieren kam ich über meinen Großvater, der als typischer Kleinaktionär vor der Finanzkrise in die dividendenstarken Bankaktien investiert hat. Seinem Beispiel folgend kaufte ich auf einem der vielen früheren Tiefpunkte 2009/2010 Commerzbank-Aktien. Ich hatte als junger Bursche, der lediglich den einen oder anderen Kostolany gelesen hatte noch das Zitat in den Ohren, dass man kaufen soll, wenn die Kanonen donnern… Naja, sie donnern immer noch und für mich ist inzwischen klar, dass das Geschäftsmodell von Banken für mich als Aktionär so undurchsichtig und unrentabel ist, dass ich wohl keine Banken mehr kaufen werde.  Nun machen wir aber mal Alphabetisch weiter.

2. Allianz, der zuverlässige Dividendenzahler:

Mit einem KGV von unter 10 und einer so starken Marktposition wie sie die Allianz nun mal hat ist sie eine Art Cash-Cow in meinem Portfolio, frei nach dem BCG-Modell. Daher habe ich im Sommer 2016 bei 119,4 Euro zugeschlagen, als die Dividende die 6% p.a. überschritt und das Kurs-Buchwert-Verhältnis weit unter 1 lag. Das Wachstum interessiert mich bei diesem Titel nicht, ich warte auf eine stetig wachsende Dividende zwischen 5 und 8% in den nächsten Jahren und freue mich einfach über den Cash-Flow.

3. BASF, der Zykliker und Dividenden-Champion

Während einer Schwächephase Anfang 2016 für 61,77 zugeschlagen. KGV war unter 15, KBV unter 2, Gesamtkapitalrendite mit wenigen Ausnahmen zwischen 8,5 und 12%, Eigenkapitalrendite meist zwischen 17 und 25%, Eigenkapitalquote stets über 40%, Dividendenrendite bei 4,7%. BASF ist ein Dividendenchampion und hat mit Ausnahme der Finanzkrise seine Dividende stets erhöht. Nachteil ist, dass BASF ein sehr zyklischer Wert ist, da das Unternehmen sehr von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängig ist. Es gilt daher immer mal wieder auf niedrige Kurse zu warten und NUR dann zuzuschlagen, gegebenenfalls auch mal zu Höchstkursen verkaufen, auch wenn man eigentlich Buy & Holder ist.

4. Chipotle, das Wachstumsmonster

Das Konzept, gesundes und frisches Fast-Food anzubieten ist eine Marktlücke und verbunden damit, dass es Mexikanisch ist auch ein bisschen ein Burggraben. Das Gewinnwachstum von 2011 bis 2015 sah wie folgt aus –> 215 Mio. $, 215Mio. $, 327 Mio. $, 445Mio. $, 475Mio. $. Die Eigenkapitalquote beträgt >75% und eine Gesamtkapitalrendite von 15-17,5% bei Fastfood kann sich sehen lassen. Seit 2011 wurde das Personal verdoppelt und gleichzeitig der Gewinn pro Mitarbeiter von 7.000$ auf 8.000$ erhöht. Chipotle ist nicht direkt ein Schnäppchen gewesen und das trotz einem Sturz von 750$ auf etwa 400$. Der KGV lag die letzten Jahre stets zwischen 30 und 50, der KBV meist >7. Der Kurssturz wurde durch einen Lebensmittelskandal verursacht, der allerdings das Geschäft nicht substanziell bedroht hat, die Expansion geht weiter und die Kunden kommen bereits wieder. Es ist ein hochprofitables und weiter stark expandierendes Unternehmen mit Kursfantasien.

5. Facebook

Als klar wurde, dass Facebook es schafft mobile Werbung für sich zu nutzen kaufte ich eine Position. Es ist das Weltweit größte soziale Netzwerk und nahezu jeder Mensch mit Handy zwischen 10 und 55 schaut mehrmals am Tag auf Facebook vorbei. Die Möglichkeit so perfekt Kunden zu segmentieren und im Gegensatz zu Google auch ohne, dass gerade etwas gesucht wird anzusprechen, macht Facebook verbunden mit Instagram und WhatsApp zu einem milliarden Menschen umspannenden Werbenetzwerk. Man braucht nicht viel Phanatasie um sich auszumalen, dass der Trend, dass Werbemittel von Radio, Fernsehen und Print weiter und wohl auch immer schneller zu Onlineanbietern abwandern, anhalten wird. Der Werbeumsatz von 2010-2015 in Milliarden Dollar sah wie folgt aus:  1,86; 3,15; 4,28; 6,99; 11,5; 17. Außerdem wird ständig neu investiert und Projekte wie Oculus Rift lassen erahnen, dass nicht nur Diversifizierung angestrebt wird, sondern Diversifizierung in Wachstumsmärkten. Wir haben hier ein extrem innovatives Unternehmen, dass vom Inhaber geführt wird. Eine schöne Kombination!

6. Hugo Boss

Ich habe die letzten Jahre mit Argwohn beobachtet wie überall Hugo Boss Läden aus dem Boden schossen. Boss Green, Boss Orange und was es nicht alles gibt. Inzwischen sieht das Management weitestgehend ein, dass das keine gute Idee war und es noch andere Probleme gibt (mehr dazu in meiner Hugo Boss Analyse). Es ist ein typischer finanziell gut aufgestellter Turnaround-Kandidat. Eigenkapitalrendite zwischen 30 und 54% über die Jahre, Gesamtkapitalrendite zwischen 18 und 21%, Eigenkapitalquote bei rund 50%, und rund 7% Dividendenrendite. Gute Voraussetzungen also. Meine Ängste beziehen sich auf den asiatischen und amerikanischen Markt.

Meine Hugo Boss Analyse

 

7. Novo Nordisk

Von 100 Millionen Diabetikern werden knapp 30 Millionen von Novo Nordisk behandelt. Der markt wächst extrem, aktuell gibt es rund 400 Millionen Diabetiker, von denen 200 Millionen eine Diagnose haben und 100 Millionen sich eine Behandlung leisten können. Da ist also noch viel Platz zum wachsen. Bis 2020 strebt Novo Nordisk 40 Millionen Kunden an. 75% der Stimmen hält die Novo Nordisk Foundation, es gibt also von Aktionärsseite ein großes Interesse, an einer gesunden Entwicklung sowie eine exzellente Kenntnis von Unternehmen und Markt. Eigenkapitalrendite über 50%, Umsatzrendite über 25%, Gesamtkapitalrendite über 30%, KGV meist zwischen 20 und 30. Dividende steigt im Schnitt um weit über 20% im Jahr, Gewinn ebenfalls. Fazit: Kein Schnäppchen aber durch großes Wachstum schnell wieder günstig nach Kauf. Mehr dazu in meiner Novo Nordisk Analyse.

Beiträge zu Novo Nordisk:

  1. Analyse
  2. Update zum Kursverfall

 

8.Shell (B)

Als erstes Investment während der Ölkrise habe ich Shell gewählt, da Shell durch das Tankstellengeschäft auch bei Ölpreisen unterhalb der 40 Dollar Marke noch profitabel ist. Shell ist ein Dividendenchampion und aktuell sind Dividendenrenditen zwischen 6,5 und 9% drin, je nachdem wann man kauft. Typische Cash-Cow und mit immer rund 50% Eigenkapitalquote auch kein unsicheres Investment. Dividende kassieren und freuen und bei ansteigen auf z.B. 30 Euro verkaufen.

 

9.TGS NOPEC

Auf dieses Unternehmen bin ich auf dem blog www.valueandopportunity.com gestoßen. Dort gibt es mehrere sehr detaillierte Artikel zu diesem Investment, daher fasse ich nur mal kurz die entscheidenden Firmenwerte zusammen, die sind nämlich ein Genuss. Eigenkapitalquote über 80%, KBV, 1-1,5, Eigenkapitalrendite vor Ölkrise 15-25%, Umsatzrendite vor Ölkrise 12-30%, Gesamtkapitalrendite vor Ölkrise 12-17%. Fazit: Antizyklischer Kauf.

 

10. American Outdoor Brands

Hier findest du meine Kaufargumentation: Investors Club: American Outdoor Brands, Bed Bath & Beyond, EDUC

ETF:

1.Comstage MSCI EM ETF:

Um die Schwellenländer abzudecken kaufe ich einen ETF, da mir Einzelaktien in Ländern wie China zu riskant sind. Ich gebe mich hier mit der Marktrendite zufrieden und habe nach dem Konjunktureinbruch in China im letzten Jahr einen großzügigen Sparplan laufen lassen. Langsam erholen sich die Kurse und ich warte bis wir wieder unterhalb der 32€ sind. Der Comstage ist es aufgrund der niedrigen TER geworden.

 

2.Deka Dax Maximum Dividend:

Ein Anfängerfehler aus der Zeit in der ich mich erst relativ kurz mit ETF beschäftigt habe, jedoch ein kleines Dividendenmonster und auch wenn die langfristige Rendite nicht gigantisch sein dürfte, motivieren die großen Auszahlungen ungemein. Es werden die 20 Unternehmen mit der aktuell höchsten Dividende aus dem HDAX gewählt. Nachteil ist, dass Unternehmen wie RWE dadurch teilweise groß vertreten sind, allerdings war das für die Dividende bis jetzt nie ein Problem, wenn man es historisch betrachtet. In der Regel werden zwischen 5 und 7€ ausgeschüttet, während der Stückpreis bei 65-90€ schwankt. Die Dividendenrendite wird also selten unter 6% liegen. Als langfristiger Investor sollte man Dividenden-ETF mit Ausnahme der Aristocrats allerdings meiden, da man eine hohe Dividendenrendite aufgrund der ETF-Architektur meist mit sehr schwachen Kurssteigerungen erkauft.

 

3.Lyxor ATHEX:

Eine Spielerei auf einem der vielen Tiefpunkte der Griechenland-Krise. Ein paar Hundert Euro, die ich einfach liegen lassen möchte. Bei diesem Papier kann man wunderbar die politischen Entwicklungen in der Euro-Krise ablesen.

 

4.Lyxor Russia

Als die Krim annektiert wurde und Sanktionen gegen Russland verhängt wurden, war ein günstiger Zeitpunkt für russische Aktien, aber welche? Keine Ahnung! Der Staat greift mir zu viel ein, es gibt zu wenige Firmen und keine die ich als Einzelinvestition interessant finde, also bot sich eine „breite“ Streuung über einen ETF an. Ich denke, dass sich die Weltmächte mittelfristig immer einigen werden, da die Nachteile einer Konfrontation auf egal welcher Ebene die Vorteile überwiegen. Bei der Türkei bin ich da kritischer und investiere daher auch nicht. Hier konnte man im Ukraine-Konflikt tatsächlich kaufen „wenn die Kanonen donnern“.

 

 

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