Dirk Müller und der Zinseszins

In diesem Beitrag erfährst Du,

  • was Zinsen überhaupt sind
  • wieso 1.000 € heute mehr Wert sind, als 1.000 € in fünf Jahren
  • wie der Zinseszins entsteht und warum er wichtig ist
  • was die Folgen eines Zins- bzw. Zinseszinsverbots sind
  • warum die Geschichte mit dem Josephspfennig Unsinn ist
  • warum im Kapitalismus nicht Ausbeutung, sondern Kooperation das Wichtigste ist
  • das ewiges Wachstum logisch und ein Naturgesetz ist

Ich möchte zu Beginn sagen, dass mir Dirk Müller sympathisch ist. Ich habe nichts gegen ihn, auch wenn ich heute Kritik an einer seiner Lieblingsgeschichten übe. Des Weiteren freue ich mich wie immer über eure Kommentare und bin auf Diskussionen jeder Art gespannt! Ob in den Kommentaren, per Mail oder Podcast… Ich bin bereit! 🙂

Zinskritik – Der Josephspfennig

Es ist schon eine berauschende Geschichte, die so unglaublich und logisch klingt, dass selbst die intelligentesten Menschen sie nicht direkt hinterfragen. Mir ging es die ersten Male auch so, als ich dem schaurigen Märchen lauschen durfte und ich mir die aberwitzigen Mengen an Gold vorstellte. Es ist interessant, wie leicht man einer solchen Bauernfängerei erliegt, aber dazu später. Arbeiten wir das Ganze mal Stück für Stück auf!

Was genau ist „Zins“ überhaupt?

Angenommen Herr Meier möchte eine Bäckerei eröffnen, es mangelt ihm aber an Kapital dafür. Nun wächst Geld leider nicht auf Bäumen, sondern musste vorher von jemand anderem erarbeitet werden. Da man sich nicht sicher sein kann, dass die Bäckerei ein Erfolg wird, verlangt die Person, die Herrn Meier das nötige Geld leiht, einen Risikoaufschlag und auch eine kleine Belohnung dafür, dass er das Geld in dieser Zeit selbst nicht nutzen kann. Der Risikoaufschlag und die Belohnung für den Kreditgeber sind der Preis, den Herr Meier für das benötigte Kapital zahlen muss. Dieser Preis ist der Zins.

Zeitwert des Geldes

Sollten Sie das alles für kapitalistischen Unsinn halten und noch nicht erkennen, dass es sich um absolut natürliches menschliches Verhalten handelt, stellen Sie sich folgende Frage: Würden Sie lieber 1.000 € jetzt erhalten oder in fünf Jahren?

Abgesehen davon, dass die Inflation dazu führt, dass die 1.000 € in fünf Jahren eine geringere Kaufkraft haben, wollen Sie das Geld selbstverständlich lieber heute haben. Sie könnten schließlich in drei Jahren schon tot sein oder das Geld für aktuelle Wünsche ausgeben. Außerdem wissen Sie garnicht, ob sie das Geld in fünf Jahren auch wirklich erhalten.

Sie haben keinen Vorteil, wenn sie das Geld erst in fünf Jahren erhalten, sondern ausschließlich Nachteile. Hier kommt der Zins ins Spiel. Menschen, die aktuell auf Geld verzichten können, verleihen dieses Geld an Menschen, die es aktuell benötigen. Als Ausgleich für das Risiko des Zahlungsausfalls und als Belohnung dafür, dass sie das Geld nicht verkonsumieren erhalten sie von dem Schuldner einen Aufschlag, den man Zins nennt.

Spätestens jetzt ist klar, dass die 1.000 € jetzt mehr Wert sind, als in fünf Jahren. Wir können schließlich Zinsen erwirtschaften, indem wir die 1.000 € verleihen. Verleihen wir unser Geld fünf Jahre zu 5%, erhalten wir 1.000 € * 1,05^5=1.276,2816 €. Die 1.000 €  heute, sind also potenziell fast 28 % wertvoller als die 1.000 € in fünf Jahren.

Opportunitätskosten

Immer, wenn ich mich dafür entscheide etwas zu tun, verzichte ich auch darauf etwas anderes zu tun. Verleihe ich 1.000 €, verzichte ich zum Beispiel darauf, mir 1.000 Kugeln Eis zu kaufen oder Häkelutensilien zu besorgen und Geld mit selbst gestrickten Luxus-Socken zu verdienen. Vielleicht hätte ich mit den Socken viel mehr verdient, als mit dem Verleihen des Geldes. Man spricht hier von den Kosten der entgangenen Gelegenheit, von Opportunitätskosten. Mir entgehen also potenzielle Gewinne, die ich mit den 1.000 € generieren könnte. Der Zins, den ich mit dem Verleih des Geldes einnehmen könnte, erhöht also die Attraktivität es zu verleihen. Würde es keinen Zins geben, ergäbe es gar keinen Sinn mein Geld einer anderen Person, die keines hat, zur Verfügung zu stellen. Sparen oder konsumieren wären dann die einzigen Optionen.

Wie entsteht Zinseszins?

Nehmen wir einmal an, Sie legen 100 € zu 5 % Zinsen auf die Bank. Nach einem Jahr erhalten Sie 5 € als Zinsgutschrift. Sollten Sie diesen Betrag nicht ausgeben, sondern weiter bei der Bank arbeiten lassen, so erhalten sie im Jahr darauf nicht 5 % auf 100 €, sondern 5 % auf 105 €, also 5,25 €. Sie erhalten also Zinsen auf ihre Zinsen! So kommt es, dass Sie nach 10 Jahren nicht 10*5 € erhalten haben und somit auf ein Vermögen von 150 € kommen, sondern auf 162,89 €. Das mag bei so kleinen Summen noch keinen großen Unterschied machen, aber ich gebe Ihnen einen Tipp fürs leben: Denken sie nicht in absoluten Größen, sondern in Relationen! Würden wir von 100.000 € sprechen, die statt 150.000 € dann 162.890 € abwerfen, so wäre es ein realer Unterschied von 12.890 €. Klingt nichtmehr so wenig, oder?

Ob Zinseszinsen entstehen ist also die Entscheidung der Person, die ihr Geld nicht verkonsumiert, sondern es lieber anderen zur Verfügung stellt. Jedes weitere investieren der gewonnenen Zinsen führt zu Zinseszinsen.

Wir können nun schon einmal festhalten, dass es natürlich nicht unmoralisch ist, Geld mit Geld zu verdienen. Also stellen wir uns die Frage, was passieren würde, wenn man ihren Gedanken folgt und den Zinseszins abschafft!

Zinseszinsverbot

Um den Wahnsinn hinter einem Zinseszinsverbot aufzudecken muss man sich nun überlegen, was dieses überhaupt bedeuten würde. Wer den Zinseszins verbieten möchte, der muss auch den Zins abschaffen, schließlich könnte man diesen ja wieder anlegen und so Zinseszinsen erwirtschaften.

Schafft man den Zins ab, macht man es für Menschen unattraktiv anderen Menschen Geld zu leihen. Warum sollte ich die Früchte meiner Arbeit jemand anderem geben, wenn ich dafür nichts erhalte und auch noch das Risiko eingehe, nicht wieder zu bekommen, was ich verliehen habe?

Man müsste in der Folge also Menschen dazu zwingen, ihr Geld zu verleihen, dann zerstört man allerdings das zweitwichtigste Kriterium bei der Vergabe von Krediten, nämlich das Risiko!

Der Zins erfüllt die Aufgabe, Risiko bewertbar zu machen und auszugleichen. Bei einem Beamten ist es relativ sicher, dass er seinen Kredit zurückzahlen kann, während es bei einer Putzfrau oder einem Arbeitslosen eher unsicher ist. Der Zins für den Beamten wäre also geringer und der für den Arbeitslosen deutlich höher.

Gibt es nun keine Zinsen mehr, fließt das Geld entweder gar nicht mehr oder durch Zwang nur noch zu Menschen, bei denen das Ausfallrisiko minimal ist. Durch den Zins können sich auch arme Menschen Geld leihen, wenn sie bereit sind, einen höheren Zins zu zahlen, aber wer würde ihnen noch Geld leihen, wenn man für das höhere Risiko keine Belohnung erhält? Natürlich würde jeder das Geld lieber ausgeben oder sparen, als es ohne einen Gewinn und mit einem Verlustrisiko zu verleihen. Möchte man an dieser Stelle aus „sozialen“ Gründen wieder eingreifen und zum Beispiel verfügen, dass jeder einen Kredit aufnehmen darf, wird es ganz abstrus. Irgendjemand muss schließlich die Arbeit leisten, die diese Kredite finanziert und warum sollten diese Leistungsträger das noch tun, wenn es Geld „umsonst“ gibt?

Die Folge wäre also ein Stillstand der Wirtschaft mit allen Folgen, die man aus sozialistischen Ländern kennt.

Entlarven wir Dirk Müller & Co.

Nun kommen wir endlich zum Josephspfennig!

Dirk Müller, Andreas Popp, Franz Hörmann, KenFM und zahlreiche andere Bauernfänger nutzen gerne bildhafte Beispiele um die Menschen von ihren Thesen zu überzeugen. Ein Beispiel dafür ist der Josephspfennig, der ihre Zinskritik unterstützen soll.

So erzählt Dirk Müller liebend gern in Talkshows, von Joseph, der für seinen Sohn Jesus einen Cent bei der Bank anlegte. Über die rund 2000 Jahre würde aus diesem Cent, bei einer niedrigen Verzinsung, eine unvorstellbare Menge Gold(!) werden. Es ist natürlich leicht zu erkennen, dass ein solches System in der Tat nicht bestehen könnte und zum Scheitern verdammt ist. Allerdings erinnern wir uns an eine wesentliche Komponente des Zinses, das Risiko (Inflation lassen wir mal ausser Acht Dirk 😉 )!

Würde es besagte Bank heute überhaupt noch geben? Würden zum Beispiel Kriege oder verschwenderische Nachfahren nicht früher oder später das Vermögen verschlingen? Unter den reichsten Menschen der Welt befinden sich kaum Erben, gerade die letzte Oxfam-Studie zeigt uns, dass Reichtum kommt und geht und alle der aufgeführten acht reichsten Menschen der Welt ihr Vermögen selbst erwirtschaftet haben. Dirk Müller erzählt es bräuchte stets einen System-Neustart oder sehr hohe Inflation, um ein System mit Zinsen am Leben zu erhalten. Das ist unlogisch. Im schlimmsten Fall geht ein Schuldner pleite und Banken bzw. Investoren verlieren ihr Geld.

Selbst mit Aktien etc. sind (im Schnitt) langfristig rund 6-7 % Rendite zu erwirtschaften. Nach Inflation sind das rund 3-4 %, was dem durchschnittlichen Produktivitätszuwachs in Industriestaaten entspricht (Link). Hier haben wir also definitiv kein krankhaftes Wachstum. Manche Unternehmen wachsen mit 50 %, andere schrumpfen. Manche Konsumenten können einen 10 % Kredit tilgen und andere scheitern an 3 % Zinsen. Auf dem Markt gleichen sich diese Prozesse aus, kann jemand nicht zurückzahlen, gibt es eben einen Schuldenschnitt. Außerdem würden die Zinsen ja konsequent sinken, wenn solche Vermögen lange wachsen, da das Angebot an Geld steigt und Anlagemöglichkeiten sucht. Anwachsender Reichtum ist insofern also automatisch sozial.

Der einzige Markteilnehmer, der unentwegt Schulden aufnehmen kann, weil er niemanden darum bitten muss, ist der Staat. Er kann Geld drucken, bzw. drucken lassen, wenn es ihm fehlt. Währungszusammenbrüche folgen meist Kriegen oder unabtragbarer Überschuldung. Was Dirk Müller also beschreibt hat nichts mit Zinseszins zu tun, sondern ist das Ergebnis des Handelns des Gewalt- und Währungsmonopols.

Ich fände eine Satire von seinen  Talkshowauftritten super! Ein schlechter Abklatsch von Dirk Müller könnte exakt das gleiche über Josephs Ratten oder seinen Seerosenteich sagen. Dort hat man wirklich rasantes Wachstum, dass weit über kümmerlichen 5 % liegt. „Hätte Joseph damals seinem Sohn zwei Ratten/Seerosen überlassen, die sich jedes Jahr vervierfachen, so hätten seine Nachfahren heute nicht 10, nicht 20, nicht 50, Nein! Ganze 100 Milliarden Weltkugel aus Ratten/Seerosen!„. Das verdeutlicht, dass es einen Zinseszinseffekt, wie ihn Dirk Müller immer wieder darstellt, nicht geben kann.

Es ranken sich dennoch viele Mythen um Zinsen und Kapitalmärkte. Es wird z. B. häufig davon gesprochen, dass es unanständig sei, Geld mit Geld zu verdienen oder dass Zinsgewinne auf Armut und Ausbeutung basieren.

„Reichtum schafft Armut!“

Viele behaupten Wirtschaft sei ein Nullsummenspiel. Ihre Kernaussage ist, dass überall wo jemand reich ist, ein anderer arm sein muss. Jeden Euro, den eine Person verdient muss eine andere Person abgeben. Das mag einleuchtend klingen, aber wäre es so, dann hätte sich die Welt in den letzten Jahrtausenden zu einem schlechteren Ort entwickeln müssen, denn heute leben gut 7 Milliarden Menschen mehr auf der Erde, die sich nach dieser Logik am selben Kuchen bedienen müssten.

Spätestens jetzt muss man erkennen, dass diese Aussagen Unsinn sind. Nahezu die ganze Weltbevölkerung hat heute einen höheren Lebensstandard als vor 200 Jahren. Wer das anhand der Lebenserwartung, Einkommen, Krankheitsanfälligkeit, Säuglingssterblichkeit etc. nachvollziehen möchte, der kann sich Statistiken zu allem auf www.gapminder.org visualisieren lassen.

Folgen wir der Logik, dass man nur mehr Reichtum erhalten kann, wenn ein anderer dafür Einbußen hat, kann der heutige höhere Lebensstandard nur durch eine Umverteilung des Reichtums nach Unten geschehen sein, denn selbst die Ärmsten leben heute ein luxuriöseres Leben, als der durchschnittliche Bauer in den letzten Jahrhunderten. Das beisst sich dann allerdings mit dem eigenen Weltbild, da man ja gleichzeitig gern behauptet, die Armen würden Ärmer und die Reichen immer reicher werden.

Ohne weit auszuholen: Der Kuchen wächst! Reiche profitieren nicht von Armen. Reiche werden reich, weil sie das Leben ihrer Mitmenschen verbessern. Man kann schließlich in der Regel nur reich werden, wenn man die Bedürfnisse seiner Mitmenschen befriedigt, ansonsten würde man nicht ihr Geld erhalten. Im Kapitalismus nutzt einem ein reiches Afrika mehr als ein armes. Das Beste, was einem Kapitalisten passieren kann, ist ein reicher Nachbar. Den einfachsten Beweis dafür liefert ein Blick auf die Nationen, mit denen Deutschland Handel treibt:

Export deutschland ausbeutung

Ich versuche die Logik dahinter an einem einfach Beispiel zu verdeutlichen:

Marktwirtschaft heißt gemeinsam wachsen

Es ist besser für Sie und ihr Dorf, wenn das Nachbardorf wohlhabend ist und Waschmaschinen besitzt. Ihre Nachbarn können ihre Arbeitskraft nun für sinnvollere Tätigkeiten einsetzen, als jedes einzelne Kleidungsstück mühsam mit einem Waschbrett zu säubern. Die frei gewordene Zeit können sie nutzen um zu forschen, Nahrung anzubauen oder andere Dinge zu produzieren, die andere gern haben möchten. Es werden also in weniger Zeit mehr Waren und Dienstleistungen angeboten, was bedeutet, dass diese günstiger und durch die Spezialisierung auch besser werden.

Noch besser wäre natürlich ein Dorf als Nachbarn zu haben, das außerdem Traktoren besitzt und damit einen großen Teil seiner Einwohner nicht mehr auf den Feldern ackern lassen muss. Bei einem solchen Nachbardorf wäre es nicht nur günstiger Nahrung einzukaufen, es würde auch mehr unterschiedliche Produkte geben, weil die Bewohner ihre Arbeitszeit nichtmehr mit Feldarbeit ableisten müssen.

Am besten wäre ein Dorf, das so weit entwickelt ist, dass es fast kostenfrei Energie produzieren kann und landwirtschaftlich so fortgeschritten ist, dass es Nahrung fast ohne Arbeit produzieren kann. Sie könnten von diesem Nachbardorf günstig Strom und Nahrung beziehen und die dadurch eingesparte Arbeitszeit für andere Dinge nutzen. So entwickeln sich Gesellschaften gemäß der Drei-Sektoren-Hypothese immer weiter, bis wir eine Dienstleistungsgesellschaft sind.

Reichtum drückt sich hier darin aus, dass der grundlegende Bedarf spielend gedeckt wird und sich Berufsgruppen wie Yoga-Lehrer oder Fitnesstrainer entwickeln. Hunger und Mangel sind in einer solchen Gesellschaft nahezu ausgelöscht.

Bezogen auf den Zins möchte ich damit ausdrücken, dass er nötig ist um all diese Prozesse in Gang zu setzen. Er ist eine Triebfeder und gibt demjenigen, der Ideen und Ambitionen hat die nötigen Mittel um seine Vorstellungen zu verwirklichen. Menschen, die mit den Investitionen anderer Reichtum aufgebaut haben, finanzieren danach die Pläne der nachfolgenden Generationen, siehe Bill Gates oder Mark Zuckerberg. Unterbricht man diesen Kreislauf nicht, so haben wir einen konsequenten Fortschritt. Hoffen wir also, dass uns große Kriege und kollektivistische Experimente erspart bleiben. Hoffen wir, dass die Menschheit weiter in Frieden ihren Wohlstand mehren kann.

Warum ewiges Wachstum keine Verrückte Idee, sondern ein Naturgesetz ist, habe ich in einem älteren Artikel erklärt:

Ist ewiges Wachstum möglich? FDP-Bashing zur Berlin-Wahl!

Ich hoffe mein Beitrag hat euch gefallen und wir sind alle ökonomisch ein kleines Stück gebildeter! 🙂

Wer sich mit dem Geldsystem beschäftigen möchte, dem empfehle ich eines meiner absoluten Lieblingsbücher:

Das Schein-Geld-System: Wie der Staat unser Geld zerstört

Sollte mein Blog interessant genug sein, freue ich mich über eine Eintragung in meinen Newsletter!


 

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This Post Has 9 Comments

  1. Hallo,
    ich habe vor zwei Tage den Film Fabian der Goldschmied gesehen und lese mich jetzt durch mehrere Foren um die Kritiken an dem Film zu verstehen. Leider konnte mich keine Kritik überzeugen, dass der Film Denkfehler hat.
    Noch keiner der Kritiker hat bisher die Ausbeutung von Natur und Tieren mit in seine Argumente einbezogen. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass wenn jemand ohne dafür arbeiten zu müssen einen Zugewinn erwirtschaftet, auf der anderen Seite jemanden (das kann Mensch, Tier oder Natur sein) einen Nachteil erleidet.

    1. Hey Anja,
      der Grund, warum wir heute so im Wohlstand leben ist ja gerade, dass immer mehr Arbeit entfallen ist. So leidet niemand, wenn ich anstatt mit meiner ganzen Familie ein Feld beackere, auf einen Traktor (in Zukunft dann natürlich ein Solarenergie betriebener Traktor) umsteige und die Arbeit, die uns sonst Monate kosten würde an wenigen Tagen erledige.
      Der Lohn eines Investors ist, dass er darauf verzichtet sein Geld heute zu nutzen. Meine Freunde fahren jedes Jahr mehrmals in den Urlaub, kaufen sich Autos usw., ich dagegen lebe sparsam und investiere mein Geld lieber, da andere, die das Geld jetzt nutzen wollen bereit sind dafür Zinsen zu zahlen. Zum einen trage ich das Risiko, dass ich mein investiertes Geld nie wieder bekomme und zum anderen kann ich es nicht nutzen, daraus setzt sich dann ein Zins zusammen, der mich für beides entschädigt. Gerade Projekte, die Du sicher gut findest, wie regenerative Energien, Fleischersatz etc. können nur sinnvoll entwickelt und umgesetzt werden, wenn andere Menschen den jeweiligen Unternehmen Geld zur Verfügung stellen. Der Zins ist durch nichts ersetzbar und hat keinerlei negative Auswirkungen. Viele Zinskritiker verstehen das Geldsystem nicht oder wollen eben provozieren, so wie Dirk Müller.

      Ich bin auch gegen unser Geldsystem, aber das Problem ist in keiner Weise der Zins, sondern dass Staaten und Notenbanken den Zins manipulieren, wir Geldmonopole haben und die niedrigen Reservesätze zu Geldschöpfung ohne hinterlegtem Wert führen.

      Substanzielle Kritik kam beispielsweise von Hayek, der für freie Währungen eintrat. Könnte jeder eine eigene Währung auf den Markt bringen würde sich langfristig das beste Geld durchsetzen, das höchstwahrscheinlich mit Edelmetallen hinterlegt werden würde. Niemand würde eine Währung nutzen, die durch Inflationierung weniger Wert werden würde.

      Liebe Grüße
      Jasper

  2. Super Artikel!
    Dass die Geschichte mit dem Josephspfennig nicht realitätsnah ist, ist natürlich, wie auch in diesen Artikel gut zum Vorschein kommt, klar. Aber trotzdessen gefällt mir die Geschichte, um anderen Personen, die sich nicht mit Investitionsmöglichkeiten auseinander gesetzt haben, die Macht des Zinseszins näher zu bringen und diese auch für sich Arbeiten zu lassen. Daran ist ja, wie gerade gelernt, nichts verwerflich 😉

  3. Das erinnert mich spontan an den Satz von Keynes „on the long run we´re all dead“. Naja, Jesus wohl nicht (zumindest dem Glauben seiner Anhänger nach), aber ob der nochmal das verloren geglaubte Sparbuch seines Vaters findet und die Erdkugeln aus Gold bei der Judäischen Volksbank… sorry….es muss natürlich „Volksbank von Judäa“ heißen abheben möchte. Ob Dirk Müller Monty Python´s „Life of Brian“ kennt? Dirk Müller ist jedenfalls Comedy Gold. Soweit ich das als Laie beurteilen sieht die Welt draußen noch so aus wie immer, ohne Goldüberzug.

    Erstaunlich, wie viele falsche Annahmen in diesem Beispiel stecken, wie von dir
    in dem Artikel ja schon herausgearbeitet wurde! Dirk Müller spricht ja mit einer Intention, er verkauft etwas. Und bedient die Ressentiments von Leuten, die genau so etwas Hören möchten.

  4. Nun ja, der „Josephspfennig“ stammt nicht von Dirk Müller selbst sondern ist schon vor weit über 200 Jahren „erdacht“ worden.
    Zum anderen dient er lediglich dazu, die mit dem Zineszins über einen langen Zeitraum verbundene Problematik zu veranschaulichen. Es ist ein Gedankenexperiment, das in der Realität gar nicht funktionieren kann – nicht mehr und nicht weniger.
    Dass unser Geldsystem auf Dauer nicht funktionieren kann und auch noch nie auf Dauer funktoniert hat hat aber nicht nur mit dem Zinseszinseffekt zu tun, sondern ist weitaus komplexer. Der Josephspfenning ist da nur ein ganz kleiner Teil, der sofort für einen gewissen Aha-Effekt sorgt – eben weil er so unrealistisch ist.
    Wenn Du mal etwas über Deinen Schatten springen möchtest, dann lies doch mal „Die Wahrheit über Geld“ von Raimund Brichta. Danach wird Deine Einschätzung der aktuellen Lage eine andere sein.

    1. Hey Klausen,
      das der Josephspfennig von Dirk Müller kommt wollte ich selbstverständlich nicht sagen! Das überarbeite ich später nochmal, danke für den Hinweis!
      Ich denke es liegt ein weiteres Missverständnis vor, ich bin kein Verfechter des aktuellen Zentralbanksystems. Ich bin für einen absolut freien Währungswettbewerb, nicht für ein Währungsmonopol bzw. -oligopol, wie wir es aktuell haben.
      Die Instabilität unseres Geldsystems liegt aus meiner Sicht an zwei Akteuren, den Staaten und den Zentralbanken. Natürlich kommt es zu Verwerfungen, wenn sich Zinssätze nicht natürlich bilden, sondern manipuliert werden.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Überinvestitionstheorie
      Ein freier Wettbewerb der Währungen oder eine Interventionsfreie Währung sind die Zukunft. Kein System wird funktionieren, weil es eben ein System ist. Preise für Geld müssen sich ebenso frei bilden können, wie Preise für Mobiltelefone.

  5. Ich bin immer von Deinen gut auf den Punkt gebrachten Wirtschaftsartikeln begeistert.
    Politiker und Wirtschaftsbosse sollten sich daran ein Vorbild nehmen und Deine Artikel lesen.

    Schöne Grüße
    Dominik

    1. Hey Dominik,
      dein Lob ehrt mich, Dankeschön!

  6. Sehr gut, mir gefallen deine Artikel! Angenehmer Schreibstil, interessante Themen und nachvollziehbare Gedankengänge. Sehr schön..

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