4 Thesen, warum die Enteignung von Reichen unmoralisch und kontraproduktiv ist

Menschen, die gerne von Nachhaltigkeit sprechen, sprechen häufig genau so gerne davon, dass Reiche stärker besteuert werden müssten. Es sind beides Dinge, die man sehr leichtfertig fordern kann. Es kostet einen schließlich nichts, man fühlt sich gut, weil man das Richtige sagt und obendrauf sieht einen die Umwelt auch noch als guten Menschen. Man bekommt also eine Menge guter Gefühle und sogar sozialen Status, wenn man diese Dinge einfordert.

Aus dieser Gefühlswelt leiten sich dann schnell Forderungen nach Enteignung ab. Diese werden meist so vorgetragen: „Wie kann es denn sein, dass Kinder hungern und Familien sich keinen Urlaub leisten können, während Menschen auf Milliarden sitzen? Die können das ganze Geld doch gar nicht ausgeben!“

Nun sind antworten auf solche Gedanken meist ziemlich komplex, dennoch versuche ich mich mal an einem Rundumschlag.

1.Reiche haben der Gesellschaft schon genug gegeben

Man kann in einer (einigermaßen) freien Marktwirtschaft nur reich werden, wenn man anderen Menschen etwas anbietet, was diese auch haben wollen. Ein Unternehmen kann niemanden dazu zwingen seine Produkte abzunehmen. Ausnahmen gibt es, aber diese sind ausschließlich staatlich gemacht,  z.B. wenn Monopole vergeben werden. Beispielsweise gab es lange ein staatliches Busmonopol und seit es aufgelöst wurde und nun FlixBus, Postbus, MeinFernbus etc. Menschen befördern dürfen, ist es günstiger, komfortabler und auch was die Streckenvielfalt angeht, besser geworden. Verheerender ist der staatliche Patentschutz der, z.B. bei Medikamenten, Monopole bei der Krankheitsbekämpfung schafft, anstatt Wettbewerb zu fördern. Vielleicht erkennt der linke Leser an dieser Stelle für einen kleinen Moment das Positive an der Konkurrenz, dem Wettbewerb.

Ein simples Beispiel wie man reich wird:

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Ein Unternehmer wird in der Regel reich, weil er Produktionsfaktoren anders oder besser miteinander kombiniert als andere. Ich haben niemandem weh getan, wenn ich eine Herde Rinder züchte, diese verkaufe und von dem Geld mein weiteres Leben finanziere. Ganz schlaue können dann sagen: „Du hast sie aber Weiden abgrasen und die Flüsse leersaufen lassen!“. Das nehme ich dankend an! Das Problem ist nicht der Besitzer der Rinderherde, sondern das eventuell fehlende Recht auf Grundeigentum. Besitzt man die Weide, wird man nur so viele Rinder auf ihr grasen lassen, dass sie erhalten bleibt. Alles andere wäre unwirtschaftlich. Ist die Weide in Gemeindeeigentum, tritt entweder die Tragik der Allmende in Kraft, das heißt, jeder versucht möglichst viel abzugrasen bevor es ein anderer tut oder man muss eine Bürokratie errichten. Man braucht dann jemanden, der vorgibt wer wie viel von der Weide nutzen darf, jemanden der Strafen festlegt, jemanden der diese vollzieht und einen Polizisten, der die Weide überwacht. Man hat eine Bürokratie geschaffen, wo man nie eine brauchte. Das Ergebnis ist, dass die Gemeinschaft nicht nur weniger davon profitiert und dafür Personal bezahlen muss, es wurden darüber hinaus Arbeitsplätze geschaffen, die die Gesellschaft nicht weiterbringen. Es wird Personal in Stellen gebunden, das ansonsten Berufe ausüben würde, die wirklich gebraucht werden, um die Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen. So kann man natürlich unendlich Regeln entwickeln um alles „sicherer“ zu machen und so das ganze Leben der Bevölkerung von oben lenken, jedoch wird mit jeder weiteren Regel weniger Zeit dafür verwendet, sich untereinander Dienste zu leisten. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist die Bürokratie im Gesundheitswesen. Hunderttausende von Verordnungen führen dazu, dass Ärzte inzwischen fast so viel Zeit mit der Bürokratie verschwenden wie damit Menschen zu helfen: http://www.hna.de/lokales/hofgeismar/hofgeismar-ort73038/buerokratie-statt-zeit-patienten-aerzte-kritisieren-mehrarbeit-wegen-abrechnungen-5682322.html

Es stellt sich die Frage, ob nicht schon bestehende, grundsätzliche  Gesetze zur Körperverletzung und der Wettbewerb unter den Ärzten ausreichen würden, um einen Großteil der Probleme, die man mit ausufernder Bürokratie eindämmen möchte zu bekämpfen. Wer einen Ärztemangel beklagt, sollte sich für weniger Bürokratie im Gesundheitswesen einsetzen.

2.“Reiche konsumieren sinnlos! Z.B. Yachten etc. Man könnte das Geld sinnvoller ausgeben!“

Das klingt so wunderbar logisch, ist aber dümmster Populismus. Diese Aussage muss man mit zwei Antworten auflösen.

Erstens: Was ist an einer Yacht sinnlos? Sie kostet Millionen. Millionen, die aus der Tasche des Reichen wieder in die Wirtschaft zurückfließen. Vom Arbeiter, der die Bäume für die Möbel fällt, über den Tischler, der das Holz bearbeitet, die Menschen, die die Lampen basteln, Architekten, Bauarbeiter, Designer usw. sind sicher ein paar Hundert Menschen in Lohn und Brot, um eine einzelne Yacht zu bauen. Selbst danach zahlt der Reiche tausende von Euro täglich für einen Stellplatz und schafft Arbeitsplätze durch die Belegschaft, die auf dem Schiff arbeitet. Der Reiche, der seinen Wohlstand durch die Befriedigung der Bedürfnisse vieler Menschen erreicht hat, lässt also nicht nur durch seine Erzeugnisse und Angestellte in seinem Unternehmen Andere an seinem Erfolg teilhaben, sondern auch noch privat durch seinen Konsum. Auch an diesen Jobs ist nichts sinnlos, schließlich gäbe es diese Arbeit sonst nicht und die Angestellten hätten entweder gar keine Stelle oder hätten weniger Auswahl, welcher bezahlten Tätigkeiten sie nachkommen um sich und ihre Familie zu ernähren.

Zweitens: Wer soll es besser ausgeben? Der Wohlstand, in dem wir heute leben, ist in den letzten 150-200 Jahren nicht durch den Staat entstanden, sondern durch Unternehmen, die immer freier agieren konnten. Alles was wir brauchen wird von findigen Unternehmern als Bedarf erkannt, mit dem sich Geld verdienen lässt. Wer kann also das Geld der Bevölkerung sinnvoller und sozialer nutzen, als der Unternehmer, dessen egoistische Aufgabe schließlich ist, unsere Bedürfnisse möglichst als Erster zu erkennen und so gut und günstig wie möglich für uns zu befriedigen? Gebt Google, Toyota, Microsoft, Bayer und Co. 100 Milliarden Euro und sie heilen Krankheiten, bauen sicherere, verbrauchsärmere Autos und vereinfachen unser Leben mit technischen Innovationen. Gebt dem Staat 100 Milliarden Euro und es gibt ein unnachhaltiges Sozialpaketstrohfeuer. Es liegt in der Natur der Sache. Unternehmen wollen Produkte erstellen, die das Leben der Menschen verbessern, sonst machen sie keinen Gewinn. Würde der Staat das Leben der Menschen verbessern, würde er sich selbst überflüssig machen. Während der Staat das Geld von den Menschen abziehen muss, die etwas zur Gesellschaft beitragen, indem sie ja schon Dinge herstellen, die andere besitzen möchten, schaffen Unternehmen eben neue Werte und agieren sozialer, als der Staat es je könnte. Es gibt kein Staatsunternehmen, das die Bedürfnisse seiner Kunden besser befriedigen kann, als ein privates. Das ist ein Naturgesetz.

Stellen Sie sich vor, Sie würden in einem altertümlichen Dorf leben und der Dorffischer erfände ein Netz. Nun kann er zehn mal mehr Fische am Tag fangen als vorher und die anderen Dorfbewohner müssen weniger für die Fische zahlen. Die Preise kann er nicht wie vorher stehen lassen, weil jederzeit jemand anders ein Netz bauen kann und ihm Konkurrenz machen würde, bis die Fische so günstig sind, dass beide gerade noch gut davon leben können. Fische werden durch die Erfindung günstiger, das Dorf profitiert und der Fischer ebenfalls. Wer käme nun auf die Idee zu fordern, der Fischer solle etwas von seinem Mehrgewinn abgeben? Er hat das Dorf ja bereits weitergebracht und erhöht dann eben den Preis um die entstandene Steuerlast. Nun hat das Dorf, bzw. besser gesagt die Dorfverwaltung Steuern eingetrieben, die die Dorfbewohner mehr für den durch den „Staatseingriff“ verteuerten Fisch zahlen mussten. War der Eingriff sozial? Das einzige Ergebnis ist, dass die Dorfbewohner geschröpft wurden und die Dorfverwaltung nun nach ihrem Gutdünken die Steuern ausgeben kann. Doch daraus ergibt sich das Problem, dass diese „Staatsausgaben“ nicht auf direkter Nachfrage basieren. Die Vertreter der Dorfbevölkerung beschließen dann, was mit den Einnahmen geschieht und eben nicht das steuerzahlende Individuum selbst. Gerechtigkeit sieht anders aus.

3.Die Folgen hoher Besteuerung und Enteignung sind verheerend

Wird Reichtum zu hart besteuert oder wird man sogar enteignet, so fehlt der Anreiz, z.B. die Rinderherde aus 1.) mit meinen Ideen und meiner Arbeit überhaupt entstehen zu lassen. Die Folge ist, dass Innovation ausbleibt. Wer wird einen Apfelbaum pflanzen, ihn über Jahre bewässern und von Schädlingen befreien, wenn bei der Ernte der Staat vorbeikommt und sagt: „So viele Äpfel kannst du doch gar nicht essen! Du musst 80% an diejenigen abgeben, die keinen Baum gepflanzt haben, sonst kommst du ins Gefängnis.“. Die Marktwirtschaft wäre von sich aus sozial. Die zu viel produzierten Äpfel würden den Preis aller Äpfel reduzieren. Durch die Überproduktion eines „Kapitalisten-Bauern“, macht dieser zwar evtl. mehr Gewinn, senkt aber durch diese egoistische Handlung den Preis aller Äpfel und tut damit vor allem etwas für die ärmeren Menschen in der Gesellschaft. Wir können genau so auch Autos, Handy´s oder Computer betrachten. Während sich Qualität, Leistung und Komfort verbessert haben, sind die Preise gesunken. Menschen sind damit reich geworden, dass sie Produktionsverfahren verbessert haben.

Es mag auch Menschen geben, die aus Spaß an der Sache Dinge herstellen, jedoch muss man sich die Frage stellen, wie viele Erfindungen so in Hobbykellern oder Manuskripten verrotten würden. Oft braucht es jemanden, der Ideen erkennt und vermarktet, sonst setzen sie sich nicht durch. Die ganze Antriebskraft technischer Innovationen wird selten bis gar nicht in Gang gesetzt, nur weil jemand eine tolle Idee hat. Die entscheidenden Merkmale erfolgreicher Unternehmensgründungen sind die Komponenten Risikobereitschaft, Team/Unternehmergeist und die Vermarktung. Ich kann hier die tollsten Artikel schreiben, wenn ich sie nicht anständig vermarkte, werden sie niemals Bekanntheit erlangen. Nimmt man Menschen die Aussicht auf die Früchte ihrer Ernte, werden sie weniger sähen.

4.Was bringt die Enteignung?

Die wirklich reichen Millionäre und Milliardäre kommen in Deutschland auf etwa 700 Milliarden Euro. Allerdings muss man dazu erwähnen, dass der absolute Großteil davon kein Bankguthaben ist, sondern Firmenbesitz. Ich gelte als Chef einer Firma, die gerade so über die Runden kommt, aber viele Fabriken betreibt und damit auf dem Papier 250 Millionen „Wert“ ist, als reich. Nur, was bedeutet das? Bin ich dann ein reiches Schwein, das geschröpft werden muss? Nahezu JEDES mittelständische Unternehmen ist so viel Wert! Wie populistisch kann man sein, die Gründer dieser Unternehmen enteignen zu wollen?

Was könnte man mit diesen 700 Milliarden anstellen? Nichts! Deutschland ist schließlich mit 2,26 Billionen Euro verschuldet (http://www.staatsschuldenuhr.de/). Selbst ohne jegliche Verschuldung wären die 700 Milliarden irrelevant, schließlich liegen Staatseinnahmen und -ausgaben bei etwa 1,2 Billionen pro Jahr. Für einen halben Jahreshaushalt alle mittleren und größeren Unternehmen enteignen? Nicht besonders sinnvoll! Eine Kuh die Milch gibt schlachtet man nicht!

 

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Jetzt die Kernfrage! Wie soll überhaupt enteignet werden? Sie sehen in der Liste (siehe unten) die reichsten zehn Personen/Familien Deutschlands und was auffällt ist, dass aus den Zahlen klar hervorgeht, dass sie die Geldbeträge, die dort stehen nicht besitzen, sondern die Firmen so viel wert sind. Man kann ihnen das Geld also gar nicht wegnehmen, nur die Firma! Wer also an die vollen 700 Milliarden möchte, muss ihnen die Firma wegnehmen und sie an (ausländische) Investoren verkaufen. Nur wer würde diese Unternehmen noch kaufen? Der Käufer kann sich schließlich nicht mehr sicher sein, nicht auch enteignet zu werden. Die 700 Milliarden sind also unmöglich realisierbar. Eine andere Möglichkeit wäre, die Unternehmen zu verstaatlichen und staatlich zu betreiben, was die Forderung nach Umverteilung zwar perfekt erfüllen würde, es wären alle gleicher gestellt, allerdings bald bettelarm. Es gibt kein Land, dass seiner Bevölkerung mit Staatsbetrieben ein Leben in Wohlstand ermöglichen kann. Staatsgelenkte Wirtschaften führen unter anderem aufgrund der Unmöglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus zu Hunger, Leid und Elend.
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Vernünftigere Sozialisten möchten daher nicht die kompletten Unternehmen verstaatlichen, weil sie sich darüber bewusst sind, dass staatliche Institutionen diese nicht wirtschaftlich betreiben können. Sie möchten zumindest an die Gewinne, die die aufgeführten Personen mit ihren Firmen machen, in dem man sie maximal besteuert. Die Gewinne der meisten Unternehmen liegen zwischen 2 und 5%, aber rechnen wir zugespitzt mit 8% im Schnitt. Nun rechnen wir 700 Mrd. mal 8% und erhalten 56 Milliarden Euro. Allerdings liegt die Gewinnauszahlung im Schnitt eher bei 2-3% (Durchschnittsdividendenrendite im DAX), also werden aus den 56 Milliarden sehr schnell um die 20 Milliarden.

Für diese 20-56 Milliarden Euro würden Enteigner also die gesamte wirtschaftliche Zukunft unseres Landes aufs Spiel setzen.

Fazit:

  • Die Forderung nach Enteignung und maximaler Besteuerung von Reichen ist unmoralisch, weil man diejenigen, die am meisten für die Gesellschaft leisten, dafür bestraft, dass sie es tun und kontraproduktiv, weil es ärmere Menschen nicht wohlhabender macht, sondern ärmer.
  • Man sollte zufrieden und dankbar dafür sein, dass Reiche in Deutschland leben und hier Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen.

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