Soziale Marktwirtschaft verstehen – <br>Buchempfehlung

Da das Wort sozial in „Soziale Marktwirtschaft“, häufig missverstanden wird, habe ich heute eine Buchempfehlung für Euch! Es tut weh, wenn Populisten wie Martin Schulz oder Sarah Wagenknecht von einer heute pervertierten Sozialen Marktwirtschaft sprechen, da für sie immer nur sozial ist, was ihren sozialistischen Gedanken entspringt. So fühlte sich vor einigen Jahren, ausgerechnet Die Linke dazu Berufen, Wahlkampf mit dem Titel des Buches von Ludwig Erhard zu machen, wenn auch in leicht abgewandelter Form:

Auch Sarah Wagenknecht beruft sich häufig auf die Väter der sozialen Marktwirtschaft und offenbart damit nur, dass sie offensichtlich keine Ahnung hat, oder, was ich wahrscheinlicher finde, bewusst Falschbehauptungen aufstellt. Anders kann ich mir nicht ihre Enteignungsfantasien und fortwährenden Forderungen nach prozesspolitischen Eingriffen erklären. Es ist das absolute Gegenteil dessen, wofür jeder noch so „sozial“ angehauchte Mitbegründer der sozialen Marktwirtschaft stand. Wer wirklich Interesse an der Thematik hat, findet hier eine Antwort auf Frau Wagenknecht, von den Gralshütern der Sozialen Marktwirtschaft, nämlich dem Walter Eucken Institut der Uni Freiburg: http://www.eucken.de/fileadmin/bilder/Dokumente/DP2015/Discussionpaper_1503.pdf

Zur Beurteilung dessen, was die Kerngedanken dieses Systems wirklich gewesen sind, muss man allem voran Wohlstand für Alle gelesen haben. Hier arbeitet der, für die Umsetzung und Konzeption schlussendlich verantwortliche, Ludwig Erhard aus, was „seine“ ordnungspolitisch ausgerichtete Wirtschaftsordnung auszeichnet. Ich möchte hier keine große Rezension schreiben, sondern anhand von Zitaten aufzeigen, wie der Vater der Sozialen Marktwirtschaft gedacht hat und damit Kernpunkte wiedergeben, die für wachsenden Wohlstand (für Alle!) elementar sind. Für mich ist eine ordoliberale Wirtschaftsordnung, aus verschiedenen Gründen, kaum langfristig aufrecht zu erhalten, aber es ist das wohl beste erprobte Konzept, was die Austarierung von Politik und Wirtschaft angeht.

Buchempfehlung: LUDWIG ERHARD JETZT

Die Logik der Sozialen Marktwirtschaft

Einige Zitate rütteln an den Grenzen dessen, was man heute öffentlich sagen darf/sollte, ohne als Neoliberaler gebrandmarkt und abgewürgt zu werden.

„Jeder ist seines Glückes Schmied. Es herrscht die individuelle Freiheit und dies umso mehr, je weniger sich der Staat anmaßt, den einzelnen Staatsbürger zu gängeln oder sich zu seinem Schutzherren aufspielen zu wollen. Solche ‚Wohltat‘ muss das Vok immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat – und das noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie. Nichts ist darum in der Regel unsozialer als der sogenannte ‚Wohlfahrtsstaat‘, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken lässt.“

„Die wachsende Sozialisierung der Einkommensverwendung, die um sich greifende Kollektivierung der Lebensplanung, die weitgehende Entmündigung des einzelnen und die zunehmende Abhängigkeit vom Kollektiv oder vom Staat – aber damit zwangsläufig auch die Verküm- merung eines freien und funktionsfähigen Kapitalmarktes als einer wesentlichen Voraussetzung für die Expansion der Marktwirtschaft – müssen die Folgen dieses gefährlichen Weges hin zum Versorgungsstaat sein, an dessen Ende der soziale Untertan und die bevormundete Ga- rantierung der materiellen Sicherheit durch einen allmächtigen Staat, aber in gleicher Weise auch die Lähmung des wirtschaftlichen Fort- schritts in Freiheit stehen wird.“

„Mein steter Kampf um die Sicherung eines echten und freien Wettbewerbs dient in erster Linie dem Zwecke, jene in unserem Lande wohltätigen Kräfte nicht erlahmen zu lassen, die vorzüglich der deutschen Wirtschaft zu einer ständig fortschreitenden Produktivitätssteigerung verhelfen sollen. Wo kein Wettbewerb lebendig ist, tritt notwendig ein Stillstand ein, der schließlich zu einer allgemeinen Erstarrung führt. Jedermann verteidigt dann gerade das, was er besitzt, d. h. er ist nicht mehr auf die für das Gedeihen der Volkswirtschaft so bedeutsame ständige Steigerung seiner Leistungskraft bedacht.“

„Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.“

„Ich bin erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte. Falls diese Sucht weiter um sich greift, schlittern wir in eine gesellschaftliche Ordnung, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat. Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die anderen sorgen für mich. Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein.“

„Wir kommen dann zu der grotesken Erscheinung, daß der übersteuerte Staatsbürger als Bittsteller bei dem gleichen Staat erscheint und versucht, auf dem Kreditwege das zurückzuerhalten, was nach Recht und Moral eigentlich sein Eigentum aus dem Ertrag seiner Arbeit sein müßte.“

„Ebenso wie beim Fußballspiel der Schiedsrichter nicht mitspielen darf, hat auch der Staat nicht mitzuspielen. Die Zuschauer würden es den Spielpartnern auch außerordentlich übel nehmen, wenn diese vorher ein Abkommen geschlossen und dabei ausgehandelt haben würden, wieviel Tore sie dem einen oder anderen zubilligten. Die Grundlage aller Marktwirtschaft bleibt die Freiheit des Wettbewerbs.“

 

Für alle heutigen Politiker:

Ein sehr schönes Interview, das einem einen Blick in die damalige Zeit ermöglicht, findet Ihr hier:

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This Post Has 1 Comment

  1. Leistungseinkommen kommt vor Übertragungseinkommen.
    Der Sozialstaat (!) lebt vom Leistungswillen und von der Leistungsbereitschaft seiner Bürger und nicht vom Übertragungswillen der Funktionäre.

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