Strompreis – Zocken uns die Energieerzeuger ab?

Da ich gerade die alljährliche Kündigung bei meinem Stromanbieter eingereicht habe und sich viele Mythen um das Thema Strom ranken, möchte ich in diesem kurzen Beitrag meine Sichtweise darlegen. Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass ich trotz, meiner uneingeschränkt harten Kritik an der Energiewende, ein absoluter Fan von regenerativen Energien bin! Solarenergie wird sicher noch effizient genutzt werden können, genau so wie Elektroautos. Meine Meinung ist nur, dass es anders schneller geht und der eingeschlagene Weg unsozial, uneffizient und nicht zielführend ist. Strom wird immer sauberer erzeugt werden und das nicht trotz Stromanbietern, sondern wegen Stromanbietern!

Zuerst das Positive

Sie können jedes Jahr zwischen 100 und 500 € sparen, wenn sie einfach den Anbieter wechseln. Klingt nach viel Arbeit, aber mehr als „Stromanbieter wechseln“ oder „Stromanbieter Vergleich“ müssen Sie nicht bei Google eingeben. Sie benötigen ihre Zählernummer, den aktuellen Zählerstand und die Kundennummer bei Ihrem aktuellen Anbieter, um Kündigung und alles weitere kümmert sich dann „der Neue“. 🙂

Einmal im Jahr eine Erinnerung stellen, 20 Minuten hinsetzen und Hunderte Euro sparen, das gibt es selten!

Wie setzt sich der Strompreis zusammen und wer verdient daran?

Bei der Frage, ob Stromkonzerne uns „abzocken“ kann man verschiedene Maßstäbe anlegen. Das einfachste ist, sich anzuschauen, ob die Konzerne für Investoren attraktiv sind, was ja der Fall sein müsste:

(Quelle: www.finanzen.net)

Als nächstes könnte man schauen, ob die Unternehmen vielleicht zu Unrecht abgestraft wurden, indem man schaut, ob sie profitabel sind:

(Quelle: www.ariva.de)

Wir sehen, dass das Unternehmen zu 90% mit Schulden finanziert ist, Tendenz steigend. Sollte es sich hier um ein Abzockergeschäft handeln, dann ist es eher Mundraub, als alles andere.

Abschließend könnte man schauen, wie sich der Strompreis überhaupt zusammensetzt. Betrachtet man diese Zusammensetzung über einen längeren Zeitraum kann man abschätzen, woher der Anstieg überhaupt kommt. Lassen wir uns überraschen:

(Quelle: Strom-report.de)

 

Fakt ist: Der Anteil an Steuern und Abgaben ist der einzige relevante Preistreiber und selbst der Anstieg in den 2000er Jahren liegt ja an den Vorgaben der Politik, die die Erzeuger umsetzen mussten. Möchte man jemanden als Abzocker bezeichnen, wissen wir nun wen.

Und wer darf´s bezahlen? Der kleine Mann!

Ähnlich wie bei der Mietpreisbremse und anderen politischen Projekten zum Wählerfang, müssen markige Forderungen meist sehr stark abgeschwächt werden, weil sie mit der Realität kollidieren. So auch beim Strompreis! Als Land, das stolz auf seine Industrielle Fertigung ist, ist es natürlich unmöglich, ein Projekt wie die Energiewende auf Kosten der Industrie zu finanzieren. Die Folge dieser politischen Phantasie wäre schließlich eine Abwanderung der Fabriken und damit vieler Arbeitsplätze. Damit man diese unsozialen Folgen verhindert, verteilt man die Kosten auf nicht-stromintensive Unternehmungen und den Bürger.

Hier ist die Politik einsichtig, schließlich kann man Unternehmen nicht zwingen im Land zu bleiben. Den Bürger kann man aber zwingen höhere Abgaben zu zahlen, also macht man es auf diesem Wege.

(Quelle: www.statista.de)

Wir sehen, dass es ,trotz Deckelung der Stromkosten für die Industrie, einen starken Wettbewerbsnachteil für Produzenten in Deutschland gibt. Bei einer Verlagerung der Produktion können Unternehmen stellenweise 50% Stromkosten einsparen, über die Sozialabgaben, Tariflöhne und so weiter sprechen wir dabei noch gar nicht. Ich möchte hier nicht alles schlecht reden, sondern schlicht und einfach darauf hinweisen, dass diese Dinge Faktoren darstellen, die den Anreiz erhöhen, ins Ausland abzuwandern. Jeder Cent, den man mehr pro Kilowattstunde Strom bezahlen muss, bedeutet mehr Arbeitslose. Genau wie beim Mindestlohn werden sich hier die großen Verwerfungen aber nicht im aktuellen Aufschwung, sondern im folgenden Abschwung um so härter zeigen. Es folgt eine harte Konfrontation mit der Realität und sie wird wehtun.

Gerade für Alleinerziehende oder arme Familien ist die hohe Besteuerung von Strom ein Schlag ins Gesicht. Ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt verbraucht rund 4.200 KwH Strom pro Jahr, das macht 4.200*0,2916=1.224,72 → 1.224,74 €. Würden wir nur die EEG-Umlage von rund 25% abziehen, hätte ein solcher Haushalt über 300 € im Jahr mehr zum Leben. Das mag für das grüne Wählerklientel nicht wichtig sein, für eine Unterschichtfamilie ist aber genau das entscheidend.  Egal ob es das Geschenk zu Weihnachten, der Kinobesuch zum Geburtstag oder der Konfirmationsanzug ist, es trifft die am härtesten, die es sowieso am schwersten haben.

„Das Gros der Kosten fällt dabei erst in den kommenden Jahren an. Betrugen die Kosten im Zeitraum 2000-2015 noch rund 1830 Euro pro Einwohner, so werden es im Zeitraum 2016-2025 pro Einwohner über 4.500 Euro sein. Eine vierköpfige Familie zahlt von 2000 bis 2025 direkt und indirekt über 25.000 Euro für die Energiewende. In den kom- menden zehn Jahren werden davon durchschnittlich 18.000 Euro für eine vierköpfige Familie anfallen.“ (Link)

Warum Ökostrom heute sinnlos ist

Meiner Meinung nach ist es sinnlos, sein eigenes Gewissen zu befriedigen indem man einen Ökostromanbieter auswählt. In Zeiten, in denen man 55% Steuern und Abgaben für Strom zahlt, von denen ein Großteil in den Ausbau von regenerativen Energien gesteckt werden (sollten), ist es eher eine Lifestyle Entscheidung. Meine Bereitschaft bei Bus- oder Bahnbuchungen ein paar Cent für den CO2-Ausgleich zu zahlen ist ebenfalls nicht mehr vorhanden, wenn ich die Abgaben auf Benzin etc. betrachte. Ich spende lieber für Schulbücher in Afrika oder finanziere Ärzte mit, die in den ärmsten Ländern der Welt Kranke heilen, als auch nur einen weiteren Cent in Energieeffizienz und Klimaschutz in Deutschland zu zahlen.

Nützt die Energiewende dem Klima?

Es wirkt auf mich wie Größenwahn, wenn eine Nation mit knapp 80 Millionen Einwohnern, auf einer Welt mit ca. 7 Milliarden Menschen, eine politisch gesteuerte Energiewende für nötig erachtet.

80.000.000/7.000.000.000=0,0114

Das bedeutet, dass 1,14% der Weltbevölkerung in einem der reichsten und Energieeffizientesten Ländern der Welt, hunderte Milliarden Euro ausgeben um mit saubererer Energie versorgt zu werden. Auf mich persönlich wirkt das sehr heuchlerisch, weil ich davon ausgehe, dass man mit einem Bruchteil des Geldes ein Vielfaches erreichen könnte, wenn das Geld beispielsweise für die Steigerung der Energieeffizienz in Schwellenländern aufgewendet werden würde. Jede moderne Filteranlage in Kraftwerken in Indien, China, Nigeria oder Rumänien schützt die Umwelt mehr, als eine neue 20.000 € Solaranlage in Deutschland.

Die weltweite Energiewende wird dann kommen, wenn es sich lohnt. Daran habe ich keinen Zweifel! Sobald sich die Bereitstellung von Solarenergie lohnt oder sich andere Möglichkeiten, wie die umweltverträgliche Gewinnung von Schiefergas, etablieren, geschieht der Rest von selbst.

Die falschen Anreize

Es wäre ökonomisch vertretbar gewesen, Anfang der 2000er Jahre zu sagen „Liebe Stromkonzerne, ihr habt jetzt bis 2020 Zeit eure Energieproduktion zu 25 oder 50 % aus erneuerbaren Technologien zu decken!“. Die Unternehmen hätten Stück für Stück Gewinne abschöpfen und in die Zukunft investieren können. Sage ich einem Bäcker, er hat 10 Jahre Zeit um seine Öfen gegen Energieeffizientere auszutauschen, kann er sich darauf vorbereiten und Teile seiner Gewinne zur Seite legen, wenn ich nach 5 Jahren aber sage, dass er die Hälfte seiner Öfen nicht mehr benutzen darf, dann bringe ich seine Kalkulation durcheinander, er muss sich verschulden oder die Preise erhöhen. Genau das ist nach dem Tsunamiunglück in Japan 2011 leider geschehen. Ohne eine Änderung der Gefahrenlage in Deutschland wurde aus purem Populismus die Abschaltung vieler Atomkraftwerke befohlen.

Das kann man alles gut finden, man muss nur mit den Konsequenzen leben. Die Konsequenzen sind, dass Unternehmen weniger Gewinne machen, die sie in eine wirtschaftlich vernünftige Energiewende stecken können. Das Ergebnis je Aktie fiel bei RWE von 6,20 € 2010 auf:

Dieses Ergebnis ist natürlich auch Ausdruck vieler Investitionen etc., ich versuche nur aufzuzeigen, wie stark die Stromerzeuger mit dem Wandel zu kämpfen haben. Die Investitionen sind logischerweise weniger geworden, 2009 und 2010 waren es jeweils rund 6 Milliarden, während 2015/16 nur 2,9 und 2 Milliarden investiert werden konnten.

Das „beschleunigen“ der Energiewende verringert den Spielraum der reellen Umsetzung also.

Das wirkungsvollste Instrument, dass Staaten haben, ist das Setzen von Anreizen. Man kann das schlau tun, indem man sich den Egoismus der Marktteilnehmer zu nutze macht und ihnen einen Zeitraum vorgibt, innerhalb dessen sie das gewünschte Ergebnis, in ihrem eigenen Interesse, erzielen müssen, weil sie sonst Nachteile in Kauf nehmen müssen. Man kann es aber auch weniger schlau tun, indem man die Gunst der Wähler höher einordnet als das eigentliche Ziel und den vereinbarten Prozess mit Füßen tritt.  Damals haben es die Grünen geschafft den Ministerpräsidenten in Baden Württemberg zu stellen, eine Sensation und politisch natürlich schlau von Angela Merkel, auf diesen Zug aufzuspringen und sich gegen die Atomindustrie zu wenden.

Abschließende Gedanken

Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem sich die sauberere Erzeugung von Strom lohnt und ab diesem Zeitpunkt werden Investoren Abermilliarden Dollar, Euro, Yen usw. zur Verfügung stellen, um Profit daraus zu schlagen, Strom noch sauberer und günstiger zu produzieren. Die Milliarden, die Steuerzahler in Europa, China, den USA und vielen anderen Ländern zahlen sind unsozial und werden von den privaten Investitionen in der Zukunft, was Effizienz und Volumen angeht, in den Schatten gestellt werden und das ist auch gut so.

Eine Energiewende mit schlauer Anreizsetzung wäre für mich noch am ehesten ertragbar gewesen, am liebsten wäre mir, wenn jeder der es möchte, sich einen Ökostromanbieter aussucht und selbst aktiv wird, anstatt es den Staat mit Zwang durchsetzen zu lassen und damit jeden zu belasten. Ich würde definitiv einen solchen Anbieter auswählen und meinetwegen 10-20 % Aufschlag in Kauf nehmen und habe das auch getan, bis ich vor einigen Jahren bemerkt habe, wie hoch Steuern und Abgaben sind.

Leider werden bis 2025, in Deutschland, rund 425 Milliarden Euro in die Energiewende geflossen sein (Link). Das Geld sehen wir nicht wieder und hätte von den Bürgerinnen und Bürgern sinnvoller und wertschöpfender gebraucht werden können. Ich finde, dass die Abwägung zwischen dem Recht auf Privateigentum und der ökologischen Frage in unserem Land falsch getroffen wird, aber bin leider in der Minderheit.

Für mich ist die „staatliche Abzocke“ bei Strom, Benzin, Lohn, Mehrwertsteuer und vielem mehr, unerträglich und ein Grund dafür, dass ich mittelfristig auswandern möchte. Ich bin bereit 30% abzugeben, vielleicht sogar 50%, aber eher 70% plus die Möglichkeit in einer schweren Krise enteignet zu werden, weil man gespart hat, anstatt in Saus und Braus zu leben, sind aus meiner Sicht einfach nicht fair.

Ich möchte in absehbarer Zeit aus eigener Kraft und mit Sparsamkeit für mich und meine zukünftige Familie vorsorgen um nicht von staatlicher Fürsorge abhängig zu sein, wenn ich, Frau oder Kind behindert, arbeitsunfähig oder was auch immer werden. Ich sehe, dass das zunehmend schwerer möglich wird und ziehe meine Schlüsse daraus.

Nicht meckern, sondern Lösungen suchen und machen! 

Wie seht Ihr das? Findet Ihr die Energiewende gut? Zahlt Ihr gern die vielen Steuern und Abgaben? Wollt Ihr um jeden Preis in Deutschland bleiben? Ich freue mich auf spannende Diskussionen!

 

Nachtrag

Aus der Kugel Eis, die die EEG-Umlage jeden durchschnittlichen Haushalt laut Trittin kosten sollte, sind immerhin eher 300 Kugeln geworden. Mein herzliches Beileid an alle Eisbuden, bei denen die privaten Haushalte im Zuge der Energiewende Einsparungen vorgenommen haben an dieser Stelle. 🙂


 

 

 

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This Post Has 4 Comments

  1. Hallo Jasper, da Du auf unsere freundlichen Emails zum Urheberrechtshinweis nicht reagierst, geben wir Dir hiermit letztmalig die Gelegenheit die von uns erstellte Grafik: „Zusammensetzung des Strompreises“ ordentlich mit einem Quellhinweis zu versehen und zu verlinken. Wenn das nicht bis zum 01.September nachgeholt wurde oder Du die Grafik entfernst, werden wir die Angelegenheit an unseren Anwalt geben. Der wird sich dann um die angemessene Bezahlung kümmern.
    Wir machen das nicht gerne und das ist auch nicht unser Geschäftsmodel, aber unsere Arbeit it nur kostenlos, wenn sie mit einer Quellangabe und Backlink honoriert wird. Mit freunlichen Grüßen Strom-Report

    1. Guten Tag liebes Strom-Repot Team,

      da haben Sie natürlich vollkommen Recht! Mails habe ich leider keine bekommen, sehe auch keine im Spamordner. Haben sie an die Mailadresse im Impressum geschrieben?
      Ich kümmere mich darum!
      Liebe Grüße
      Jasper

      P.S.: sehr gute Arbeit macht ihr, Respekt!

  2. Hallo Jasper,

    vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Ich habe als Teil meiner Ausbildung auch Energiesteuer- und Stromsteuerrecht und ich kann Deine Sichtweise durchaus teilen.

    Die Politik möchte die Unternehmen nicht zu stark belasten, sodass fast jedes Unternehmen einen Großteil der Energie- und Stromsteuer sich wieder erstatten lassen kann.
    Um Dir mal einen kleinen Einblick zu geben, kommen im HZA auf einen Sacharbeiter zur Erhebung von Energiesteuer ungefähr 5 Sachbearbeiter, die Entlastungen bearbeiten.
    Eine solche Regelungssystematik und Komplexität macht ein Steuersystem natürlich auch deutlich ineffizienter, weil ein größerer Anteil der eingenommenen Steuer für die Einnahme der Steuern aufgewendet werden muss.

    Schöne Grüße
    Dominik

  3. „Hot, Flat, and Crowded: Why We Need a Green Revolution—And How It Can Renew America (2008)“ von Thomas L. Friedman ist zu dem Thema ein sehr gutes Buch. Leider schon fast 10 Jahre alt und man hat keine aktuellen Vergleichswerte, aber es finden sich einige gute Ideen dort wieder.

    Ein System der erneuerbaren Energien ist mit das größte Thema, das uns in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen wird.

    Ab und zu zieht sich das Buch etwas, aber insgesamt doch zu empfehlen.

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