Wie ein geschlagenes Känguru die Arbeitsweisen unserer Medien aufzeigt

Der folgende Artikel ist aus meiner Sicht perfekt um darzustellen, was mich an Leitmedien wie dem Spiegel schon länger stört. Die Art und Weise, wie Artikel recherchiert und geschrieben werden gehen mir extrem auf den Senkel und ich kann jeden verstehen, der das Wort Lügenpresse benutzt. Ich nutze solche Wörter selbst nicht, aber ich wundere mich, dass diese Kampfbegriffe von beiden Seiten so gern genutzt werden. Auf der einen Seite brüllen Menschen hasserfüllt „Lü-gen-pre-sse! Lü-gen-pre-sse!“ und auf der anderen Seite macht man den anderen lächerlich und reagiert auf Medienkritik mit „Achso, du meinst bestimmt dahinter steckt die Lügenpresse?“, als würde man auch an den Weihnachtsmann glauben. Woher kommt dieses Misstrauen auf der einen und dieses Vertrauen auf der anderen Seite?

Politiker und Journalisten sind nicht ohne Grund stets unter den Berufsgruppen, die in der Gesellschaft das niedrigste Ansehen haben. Ich erinnere mich, dass es vor ein paar Jahren vollkommen normal war zu sagen, dass Politiker lügen. Jetzt wo die falsche Seite, nämlich die rechte, von Lügenpresse und -politikern spricht ist der Reflex also selbige zu verteidigen. Das finde ich persönlich schwierig, weil es eine weitere Spaltung erzeugt. Auf Druck mit Gegendruck zu reagieren ist meistens dumm. Wie wäre es, wenn man im gesellschaftlichen Diskurs darüber reden würde, dass man von Journalisten beispielsweise verlangt ihre Quellen offen zu legen? Ich meine damit natürlich nicht anonyme Quellen wie Whistleblower, sondern Belege für Aussagen und Schlussfolgerungen. In der Regel fehlen diese nämlich. Warum redet man nicht darüber, was gerechtfertigt ist, sondern pauschalisiert in der Regel genau so, wie diejenigen, denen man genau das vorwirft?

Mir kommt es vor, als würden jetzt alle, die nicht rechts sind zusammenrücken und eine Gegenfront bilden, anstatt zu schauen was eventuell berechtigte Kritik ist. Es ist berechtigt sich darüber zu Ärgern, dass Politiker regelmäßig Unsinn erzählen um gewählt zu werden und das ist ein großes Manko in unserem politischen System! Es ist berechtigt sich darüber zu Ärgern, dass Medien sich zunehmend entkoppeln und die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben, indem sie die Quote über den ruhigen Diskurs stellen. Es ist ärgerlich, dass die GEZ-finanzierten Medien dasselbe tun! Statt Traumschiff, Fußball, Vorabendkrimis, Liebesschnulzen und Millionengehälter für Lanz und Co., sollte man sich auf guten Journalismus konzentrieren. Es sollte doch nicht um Quote gehen, ich dachte das wäre die Idee dahinter.

Ich persönlich möchte kritische Medien. Ich persönlich möchte freie Medien. Die Regierung soll kritisch beurteilt werden und in Frage gestellt werden. Ich möchte Gegenmeinungen lesen! Ich möchte Pro-Trump Artikel lesen und Contra-Trump Artikel. Ich möchte nicht drei mal in der Woche bei Spiegel.de lesen, dass es eine „überraschende Wendung“ gab und Hillary Clinton jetzt noch einmal mehr Stimmen als Donald Trump hat und wenn ich den Artikel dann öffne steht erst in der Mitte: „Diese Zahlen sind für den Wahlausgang allerdings unerheblich: Das Wahlsystem der USA ermöglicht eine Niederlage trotz einer Mehrheit der Stimmen. Trump gewann, weil er im entscheidenden Gremium der Wahlleute die Mehrheit errang.“. Ich glaube nicht, dass knapp 50% der amerikanischen Wähler einfach nur dumm ist und der Unterschicht angehört. Das ist einfach eine Frage von Wahrscheinlichkeiten. Es ist nicht logisch! Wieso haben Redakteure nicht den Anspruch Umfassend zu berichten? Mit dem schnellen Klick und den reisserischen Überschriften verspielen Medien wie der Spiegel oder die Öffentlich Rechtlichen über einen langen Zeitraum das Vertrauen.

Ist das euer Anspruch?
Ist das euer Anspruch?

Ich würde mir wünschen, dass Zeitungen sich gegenseitig kritisieren! Youtube und das Internet allgemein wird das bringen. Es gibt zahllose Videos in denen Fehler, die andere in ihren Videos machen, aufgearbeitet werden und manchmal kommt es dann zu Live-Streams, in denen beide Parteien diskutieren. Das ist gelebte Demokratie! Beide Parteien können ohne Druck durch Sendezeit oder gefärbte Moderatoren miteinander diskutieren. Warum geschieht das nicht regelmäßig in Zeitungen? Jakob Augstein schreibt Trump ist ein Antisemit, Schwulenfeind und Faschist. Warum bittet kein Journalist der FAZ oder NZZ ihn, in einem eigenen Artikel, um stichfeste Beweise für diese Anschuldigungen. Augstein könnte Zitate bringen und der FAZ-Schreiber eine Woche später offenlegen, dass es sich um verkürzte Zitate handelt. Vielleicht muss er aber auch aufgeben und zugeben, dass er bestimmte Aussagen nicht kannte und Trump tatsächlich ein Antisemit ist. Mir kommen Leitmedien eher wie eine Echokammer vor, als eine Diskussions- und Meinungsaustauschsplattform. Häufig sieht man in den Kommentaren mehr erhellendes und Erklärungen und Argumente, als in den jeweiligen Artikeln.

Nun aber zum Känguru:

Medien Lügenpresse

Medien Lügenpresse Spiegel

Ein tolles Beispiel für Journalismus und es erinnert mich an zahllose Artikel über die Griechenland-, Euro-, Brexit-, Flüchtlingskrise.

Zwei Kernaussagen werden getroffen:

  1. Der Tierpfleger muss fürchten gefeuert zu werden.
  2. In Australien wurde eine Welle der Empörung ausgelöst.

Das suggerieren die Überschriften und die meisten Menschen nehmen genau das wahr und speichern es ab.

Wie werden diese Aussagen jetzt belegt?

Zu 1. heißt es kurz vor Ende des Artikels: „Nun meldete sich der Arbeitgeber: Tonkins werde seinen Job behalten, man werde aber mit ihm „an seinem Verhalten arbeiten“.“ → Er bangt also NICHT um seinen Job. Lüge.

Zu 2.: „Tierschützer sehen das anders. Das Video hat in Australien eine Welle der Empörung ausgelöst. Tonkins gehöre gefeuert, meinen viele.“ → Keinerlei Beleg. Tierschützer meinen natürlich, dass man Tiere nicht schlagen soll, sonst wären es keine Tierschützer. Ich habe „Newspaper Australia“ gegoogelt und auf keiner der 6 erscheinenden Zeitungen etwas über diese Sache gelesen. Wellen der Empörung sehen anders aus. http://www.heraldsun.com.au/lifestyle/home-garden/did-greig-tonkins-break-the-law-when-he-punched-the-kangaroo/news-story/4b4b84b147e5851fc2b9280fa2d1dc61

Definiert der Autor etwas als „Welle der Empörung“, wenn PETA sagt, dass etwas nicht in Ordnung war? Was sagen denn Menschen dazu, wenn man sie befragt? Der Radiosender Q107 hat seine Zuschauer befragt:

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Selbst auf Buzzfeed.com, dem Sprachrohr für Social Justice Warriors kommt man zu folgendem Ergebnis:

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Wo ist die Welle der Empörung?

 

Weitere Beispiele aus diesem Jahr, die mich besonders gestört haben:

1. Beim Brexit wurde davon gesprochen, dass die jungen Briten (18-24) für einen Verbleib in Europa gewesen sind. In zahllosen Artikeln wurde geschrieben, dass alte Menschen europafeindlich sind und junge Menschen die besseren Europäer. Das stimmt nicht. Der jüngsten Altersgruppe war die Wahl einfach vollkommen egal. Es hat sie nicht interessiert. Es ist keine Lüge zu sagen, dass Junge Menschen pro-europäisch gewählt haben, aber zwei Drittel sind garnicht erst Wählen gegangen. Auch bei der Gruppe der 25-34-jährigen haben 42% nicht gewählt. Die Menschen in den relevanten Einkommensgruppen, mit der größeren Lebenserfahrung, die ein wirkliches Anliegen hatten, sind zur Wahl gegangen und haben sich gegen Europa entschieden. Das muss einem nicht schmecken, aber man muss auch nicht Fakten unter den Tisch kehren. Zu behaupten, die Jugend wäre pro-europäisch kann ich aus diesem Referendum nicht ableiten und es ist für mich eine halbe Lüge, die mich ärgert.

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2.Nachdem in Baden Württemberg und anderen Bundesländern gewählt wurde, gab es Umfragen, die in ARD, ZDF und allen großen Zeitungen erwähnt wurden. Eine Frage war, ob die AfD aus Protest gewählt wird oder nicht. Der Großteil wählte die Antwort „Aus Protest“. Nun „interpretierten“ Journalisten, dass über 80% der AfD-Wähler, die AfD aus Protest gewählt hätten. Ein schöner Trick! Es wurden schließlich nicht nur AfD-Wähler befragt. Es war eine allgemeine Umfrage. Ich würde daraus eher schließen, dass die 15%, die die AfD in den Landtag Baden-Württemberg´s gewählt haben eher zu den rund 20% gehörten, die das nicht so sahen. Das klingt zumindest logischer oder? Für mich ist die AfD unwählbar, aber ich werde sauer, wenn ich so etwas sehen muss. Es ist unredlich und billig und führt bei mir dazu, dass ich keine Aussage dieser Medien glaube, bevor ich nicht selbst die Quellen geprüft habe. Ich gebe kein Geld für Zeitungen aus und hoffe, dass Blogs und Videoplattformen Vergütungssysteme ermöglichen, die unabhängigen Journalismus möglich machen.

Lustiger Nebenfakt: Bei den Piraten waren Journalisten begeistert über jeden Nichtwähler, der zurück zur Demokratie geholt wurde, bei der AfD kommen Hunderttausende wieder an die Wahlurnen, das muss man anerkennen!

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Fake News

Das Internet wird natürlich auch schlecht geredet, Fake News ist im Moment das Stichwort. Genau so, wie PETA bei jedem geschlagenen Tier aufschreien muss, weil es ihr Job ist und der Mindestlohn für Die Linke nie hoch genug sein kann, genau so müssen etablierte Medien natürlich alternative Informationsplattformen schlecht machen. Alles andere wäre schließlich Selbstmord. Ich finde nur lustig, dass man von Qualitätsjournalismus spricht und von Fake News, wenn man selbst nicht ausführlich seine Quellen offen legt. Fake News sind ein ganz normaler Bestandteil unserer Medienlandschaft, wie Spiegel und Co. Tag für Tag unter Beweis stellen. Jeder Mensch weiß, dass Politiker permanent lügen, das muss man ihnen ja nicht mal übel nehmen, weil das politische Tagesgeschäft anders nicht zu bewältigen wäre.

Viele meiner Leser beschäftigen sich mit Aktien, daher die Frage:

Sind Artikel in großen Zeitungen über Aktien gut und haben Substanz?

Ja oder nein?
  • 15.38% - ( 4 votes )
  • 84.62% - ( 22 votes )

Ich gehe davon aus, dass hier eine überwältigende Mehrheit „Nein“ auswählt, was einen zu der Frage führt, ob es nicht in nahezu jedem anderen Fachbereich ähnlich ist, wenn man sich mit der jeweiligen Thematik auseinandersetzt. Liest Du lieber Aktienblogs und Beiträge ausgewählter Personen oder schaust du dir eine Wirtschafts-/Finanzzeitung an? Ich weiß nur, dass Zeitungen in jedem Bereich, in dem ich mich auskenne zum absolut überwiegenden Teil Blödsinn schreiben, der sich gut verkauft.

Jeder kann sich selbst die Frage stellen, ob jemand wie hier in der Anfangsszene eine politische/journalistische Karriere durchstehen könnte. Absagen, weil man moralisch arbeiten möchte? Sicher nicht!

 

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This Post Has 3 Comments

  1. Wie Peter Scholl-Latour gesagt hat : Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung. Leider sind die Massenmedien zu reinen Propaganda-Instrumenten der Politik verkommen.
    Was bleibt ist der gesunde Menschenverstand. Und der sagt mir, dass Politiker, die eine Willkommenskultur und Offenheit predigen , sich selbst dagegen hinter einem Dutzend Sicherheitskräften verbergen , in gepanzerten Limousinen durchs Land fahren und ihre Häuser/Wohnungen permanent von Polizisten bewachen lassen, erbärmliche Heuchler sind.
    Was soll ich von einer Politikerin halten, die Grenzen öffnet, andererseits Tagungsorte(G 7 Gipfel) hermetisch abriegeln lässt und zum Schutz der eigenen Haut ca. 18000 Polizisten jede Maus, die durchschlüpfen will, kontrollieren ? Herr Trump will eine Mauer gegen illegale Einwanderer ziehen, wie schändlich ! Nur gut, dass die grossen Parteien hier unvoreingenommen und offen mit der politischen Konkurrenz umgehen, abgesehen von der fast unüberwindlichen 5% Hürde , die zuverlässig verhindert, dass ein erheblicher Teil der abgegebenen Stimmen Asyl bekommen. Wo bleibt der kritische Journalismus, der feststellt, dass die Politiker „nackt“ dastehen,dass ihre Worthülsen für sie keinerlei Bedeutung haben, nur der Zementierung der eigenen Macht dienen ?

  2. hi Jasper,
    von den Medien in D erwarte ich gar nix mehr, schon gar keine objektive Berichterstattung, gerade wieder deutlich geworden als ARD über die ermordete Studentin aus Freiburg nicht berichtet hat, diese Art von political correctness empfinde ich beinahe als Zensur,
    ebenso wie die Kommentarfunktion die ja gerne bei Spiegel abgeschaltet wird, bei „Die Zeit“ nicht viel besser, dort scrollt man mühselig manchmal durch zig Beiträge die gelöscht wurden,
    wird irgendwie immer schwerer noch eine Zeitung zu finden die halbwegs objektiv berichtet, man muss Alles hinterfragen und selber ein wenig recherchieren wenn Einem was wichtig erscheint.
    Guter Artikel Jasper!

    1. Hey Annabella!
      Ich wundere mich auch etwas über die Begründung mit dem regionalen Interesse, da ja auch Brandanschläge auf Flüchtlingsheime oder Morde an Flüchtlingen (bis jetzt nur von anderen Flüchtlingen begangen) häufig Erwähnung finden. Man überlege sich, ein Deutscher Hätte eine Flüchtlingsfrau vergewaltigt und danach umgebracht. Ich denke, das wäre überall berichtet worden. Naja mich stören diese Doppelstandards einfach und wenn gelogen/verbogen wird 🙂
      Ich danke dir für das Lob!
      Liebe Grüße
      Jasper

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