Gastbeitrag: Das optimale Steuersystem – von finanziell-frei-mit-30.de

 

Ich möchte mal wieder für etwas frischen Wind sorgen, daher öffnet sich mein Blog heute das erste Mal für einen Gastartikel! Dominik von finanziell-frei-mit-30.de ist ebenfalls sehr an volkswirtschaftlichen Themen interessiert und kann uns als Mitarbeiter beim deutschen Zoll einiges über Steuern erzählen.

Ein Artikel über Steuern? Da ich ja nun eher auf der Seite von Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und teilweise sogar bei Murray Rothbard zu finden bin, mag es verwundern, wenn ich einen Artikel veröffentliche, der ein „optimales“ Steuersystem beschreibt, das nicht bei nahe Null liegt. Das liegt einfach daran, dass ich Ideen gegenüber aufgeschlossen bin, die den Status quo verbessern können. Die Intransparenz von Steuern, die hier und da und auch gerne doppelt und dreifach erhoben werden, ist nicht nur ein Trick, um dem Bürger die Gesamtlast nicht zu bewusst werden zu lassen, sondern, wie uns Dominik zeigen wird, absolut unökonomisch und damit verschwenderisch. Wahrscheinlich ein Musterbeispiel für die Public-Choice-Theorie. Würde eine Partei eine solche Steuervereinfachung langfristig umsetzen wollen/können – Ich wäre nahe dran sie zu wählen! In den nächsten Tagen werde ich als Ergänzung/Ausgleich ein Best-of der für mich großartigsten Gedankengänge von – und über – Ludwig von Mises veröffentlichen. In wenigen Tagen erscheint dann auch der zweite Teil dieses Artikels. Viel Spaß!

 

Das optimale Steuersystem: Passives Staatseinkommen

Einmal im Jahr steht es für die meisten Menschen an: Die Einkommensteuerklärung. Viele Menschen drücken sich davor, weil sie sich mit diesem schwierigen Thema nicht auseinandersetzen wollen. Dabei erhalten viele Arbeitnehmer, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, sogar drei- oder vierstellige Beträge zurück.

Es gibt in Deutschland wohl kein Thema, das so unbeliebt ist und einen schier in den Wahnsinn treiben kann. Das deutsche Steuerrecht gehört mit zu den komplexesten und schwierigsten Rechtsmaterien auf der ganzen Welt und sorgt bei Finanzbeamten, Steuerberatern und dem normalen Bürger (Steuerlaien) wegen seiner Komplexität für große Probleme und Sorgen.

Aus den vorher genannten Gründen möchte ich heute aus meiner eigenen Sichtweise in dieser Artikelserie schildern, wie ein optimales Steuersystem aussehen könnte und wo die Probleme in unserem aktuellen Steuersystem sind. Vielleicht sollte ich mich hierzu einmal kurz vorstellen:

Ich heiße Dominik, bin 20 Jahre alt und absolviere seit fast zwei Jahren ein duales Studium beim Zoll. Der Zoll verwaltet als Bundesfinanzverwaltung die Bundessteuern. Dies sind unter anderem die Verbrauchsteuern (Energie-, Alkohol-, Kaffee-, Tabak- und Stromsteuer) und die Umsatzsteuer bei der Einfuhr. Im Jahr 2014 wurde auch die Erhebung der Kfz-Steuer übernommen. Daneben überwacht der Zoll den grenzüberschreitenden Warenverkehr und kontrolliert, ob Arbeitnehmer die sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften einhalten (Stichwort: Schwarzarbeit, Sozialleistungsbetrug und illegale Ausländerbeschäftigung).

Die Artikelserie wird in mehrere Teile aufgeteilt. Im ersten Teil erkläre ich, warum das Einkommen des Staates passiv sein sollte. In den nächsten Teilen gehe ich auf konkrete Probleme unseres Steuersystems ein und wie diese gelöst werden könnten.

Passives Einkommen – Definition

Du wirst Dir vielleicht bereits die Frage gestellt haben, was passives Einkommen eigentlich genau bedeutet. Bei einem passiven Einkommen wird das Geld eingenommen, ohne dass Du in diesem Moment etwas dafür tun müsstest. Damit ist das Einkommen losgelöst von irgendeiner Form des Arbeitseinsatzes.

Fast alle Menschen haben irgendeine Form des aktiven Einkommens, wo sie ihre Arbeit gegen einen bestimmten Lohn tauschen. Sie erhalten also Geld, wenn sie ihre Arbeit ableisten und erhalten logischerweise keinen Lohn, wenn sie nicht mehr arbeiten. Wenn Du stattdessen ein Buch schreiben würdest, könntest Du an jedem Buchverkauf passiv Geld verdienen. In dem Moment wäre Dein Einkommen von Deiner Zeit entkoppelt und Du würdest Geld verdienen, ohne dafür etwas tun zu müssen. Natürlich bedeutet der Aufbau eines passiven Einkommens zu Beginn sehr viel Arbeit, doch irgendwann verdienst Du dann Geld, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Wieso sollte das Staatseinkommen passiv sein?

Du wirst Dir jetzt bestimmt die Frage stellen, was das genau mit dem Staat und seinem Einkommen, den Steuern, zu tun hat. Ich möchte hierzu einen kurzen betriebswirtschaftlichen Vergleich anstellen.

Stellen wir uns vor Du möchtest Dir ein neues Kleinfahrzeug kaufen, das bestimmte Spezifikationen im Bereich Beschleunigung, Ausstattung und Design erfüllt. Dann hast Du immer die Wahl zwischen verschiedenen Autoherstellern mit unterschiedlichen Preisen (Steuern bleiben aus Vereinfachungsgründen außen vor). In diesem Preis sind alle Kosten des Unternehmens und ein Gewinn enthalten. Wenn jetzt Autohersteller A aufgrund einer ineffizienteren Verwaltung viel teurer ist, kannst Du einfach das Auto bei dem anderen effizienteren Hersteller kaufen. Als Käufer bezahlst Du mit dem Kaufpreis indirekt die Kosten des Unternehmens, sodass es in Deinem Sinne ist, dass die Kosten möglichst gering sind. Wenn das Unternehmen zum Beispiel bei der gleichen Produktion die Personalkosten enorm senken kann, kann der Preis für den Käufer auch reduziert werden.

Der Staat stellt wie ein Unternehmen den Bürgern bestimmte Leistungen zur Verfügung. Dies sind unter anderem ein funktionierendes Rechtssystem oder die öffentliche Sicherheit. Um diese Leistungen dem Bürger zur Verfügung zu stellen braucht der Staat Geld, welches er hauptsächlich über Steuereinnahmen erhält.

Im Unterschied zu einem Unternehmen hat der Staat auf diesen Bereich ein Monopol, sodass der Verbraucher keine Möglichkeit hat auf andere „Mitbewerber“ auszuweichen. Aus diesem Grund ist auch der Kostendruck nicht so hoch, weil der Staat keine Konkurrenz hat und sich nicht behaupten muss. Hierbei ist das große Problem, dass das deutsche Steuersystem aufgrund seiner großen Komplexität viele Kosten verursacht und ziemlich ineffizient ist.

Ein Gedankenspiel

Stellen wir uns einmal vor, jeder Bürger würde seine Steuern selbst berechnen und freiwillig an den Staat überweisen. In diesem Fall bräuchten wir keine Landes- oder Bundesfinanzbeamten, keine Steuerberater und keine Finanzgerichte. Der Staat hätte ein passives Einkommen und bräuchte quasi nichts zu machen. Der große Vorteil wäre, dass die Kosten und der Aufwand für die Einnahme der Steuern viel geringer wären und so die Steuerzahler, wie bei dem Autohersteller, letztendlich weniger für die gleiche Leistung zahlen müssen.

Ich möchte hier mal kurz an konkreten Zahlen verdeutlichen, wie hoch die Kosten schätzungsweise für unser Steuersystem sind und welchen Anteil sie an den Steuereinnahmen ausmachen.

Die Kosten eines Steuersystems

Im Jahr 2016 hat Deutschland insgesamt 648 Milliarden Euro an Bundes- und Landessteuern eingenommen. Die Gemeindesteuern spielen eher eine untergeordnete Rolle und werden daher bei der Betrachtung außen vorgelassen.

Die Bundes- und Landessteuern werden von der Bundesfinanzverwaltung durch über 25.000 Zöllner (Das ist nur eine Schätzung. Der Zoll hat 39.000 Angestellte und ich habe einen Teil für andere Aufgaben herausgerechnet.) und 110.000 Beamte und Angestellte der Landesfinanzverwaltung eingenommen. Nach dem Bundeshaushaltsplan 2016 hatte das BMF, dem der Zoll unterstellt ist, insgesamt Ausgaben in Höhe von ca. 5,8 Milliarden Euro.

Für die konkreten Kosten der einzelnen Landesfinanzverwaltungen müsste ich eigentlich von allen Ländern den Haushaltsplan durchsuchen und die Zahlen zusammensuchen. Weil das ein enormer Aufwand wäre, werde ich die Kosten der Bundesfinanzverwaltung anhand der Beschäftigten auf die gesamten Landesfinanzverwaltungen hochrechnen. Sie haben ungefähr 4,5-mal so viele Angestellte wie die Bundesfinanzverwaltung. Weil es insgesamt 16 Verwaltungen sind, werden sich bestimmte Aufgaben auch doppeln, sodass die Kosten höher sind. Deshalb rechne ich mit den 5-fachen Kosten, was ungefähr 30 Milliarden Euro entspricht.

Dir wird bereits jetzt aufgefallen sein, dass es sehr schwierig ist genaue Zahlen wegen der Komplexität zu finden. Neben der reinen Erhebung der Abgaben, entstehen auch Kosten durch den Gesetzgebungsprozess von Steuergesetzen und dem Rechtsbehelfsverfahren vor den Finanzgerichten und dem Bundesfinanzhof. Die weiteren Kosten neben der Erhebung der Abgaben schätze ich auf etwa 2 Milliarden Euro.

Damit betragen die reinen Kosten des Staates zur Erhebung und Verwaltung von Steuern mindestens 37,8 Milliarden Euro. In der Realität werden die Kosten vermutlich noch deutlich höher sein, weil ich nur die größten Posten aufgezählt habe.

Steuerberatung

Neben den Kosten, die dem Staat entstehen, muss der Steuerpflichtige wegen der hohen Komplexität auch Geld für Steuerberater, Steuerfachangestellte, Buchhalter und Wirtschaftsprüfer ausgeben, damit er seinen steuerlichen Pflichten nachkommen kann.

Nach Angaben der Steuerberaterkammer gibt es in Deutschland alleine 90.000 Steuerberater. Zudem gibt es ja auch noch andere Berufsgruppen, die sich mit steuerlichen Themen auseinandersetzen. So werden auf einen Steuerberater noch mindestens 4-5 andere Menschen kommen, die ebenfalls im Steuerrecht tätig sind. Damit kommen wir insgesamt auf mindestens 450.000 Menschen, die von Unternehmen und Privatpersonen dafür bezahlt werden, dass die Steuererklärungen und Steueranmeldungen korrekt sind und die Steuern korrekt bezahlt werden.

Das Gehalt der einzelnen Personen ist natürlich unterschiedlich hoch. So werden manche vielleicht Teilzeit arbeiten und nur wenige tausend Euro im Jahr verdienen, während die Top-Leute mehrere hunderttausend Euro im Jahr verdienen werden. Ich gehe jetzt einfach von einem Durchschnittseinkommen von 45.000 Euro im Jahr aus. Damit kämen wir auf zusätzliche jährliche Kosten von knapp 20 Milliarden Euro. Nicht ganz zu Unrecht gibt es beim Spiel Cashflow ein Spielfeld, wo Du die Hälfte Deines Vermögens an Deinen Steuerberater zahlen musst.

Gesamtkosten des Steuersystems

Ich denke ich habe die Kosten und Zahlen noch relativ niedrig angesetzt und in der Realität werden die Zahlen vermutlich noch deutlich größer sein. Selbst bei meinen geringen Schätzungen kommen enorme Summen und Belastungen auf den einzelnen Bürger zu. So müssen von allen Steuerpflichtigen erstmal mindestens 57 Milliarden Euro aufgewendet werden, damit der Staat 610 Milliarden Euro zum Ausgeben hat.

Nur damit Du Dir mal diesen hohen Betrag näher vorstellen kannst:

Im Jahr 2016 betrugen die gesamten Leistungen nach SGB 2 und SGB 3 im Bundeshaushalt (hauptsächlich Hartz IV) knapp 34 Milliarden Euro. Zusätzlich hätten hiermit noch die Zinsen der Bundesschulden in Höhe von knapp 24 Milliarden Euro bezahlt werden können.

Bezogen auf jeden Steuerpflichtigen in Deutschland wären das umgerechnet knapp 700€ im Jahr, wobei ja nicht alle Menschen in Deutschland gleich viele Steuern zahlen (z.B. Kinder, Rentner, Studenten). Damit ist der Betrag pro steuerpflichtige Person deutlich höher. Das sind 700€ pro Person, die einfach verpuffen und keinen Mehrwert für den Bürger haben.

Das Gedankenspiel ist unrealistisch

Du wirst jetzt vermutlich sagen, dass der einzelne Bürger niemals von selbst die Steuern berechnen und an den Staat überweisen wird und dass mein Szenario unrealistisch sei.

Da muss ich uneingeschränkt zustimmen. Wir werden immer Finanzbeamten und Steuerberater brauchen, die für eine ordnungsgemäße Steuererhebung sorgen. Mein Gedankenspiel sollte einfach verdeutlichen, welche Unsummen unser komplexes Steuersystem verschlingt. In den nächsten Teilen dieser Artikelserie werde ich dann auf konkrete Punkte eingehen, wie das Steuersystem meiner Meinung nach weiter optimiert werden kann, sodass große Teile der Kosten eingespart werden können. Selbst wenn nur 10% der Kosten eingespart werden, wären das bereits über 5 Milliarden Euro und ein riesiger Zugewinn.

Natürlich würde eine solche Veränderung mehrere Jahrzehnte dauern, denn Du kannst ja nicht plötzlich alle Beamten rausschmeißen und das komplette Steuerrecht von heute auf morgen revolutionieren.

Was hältst Du vom deutschen Steuersystem? Gibt es Punkte, die Du daran verändern würdest, wenn Du es könntest?

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