Gastbeitrag: Das optimale Steuersystem Teil 2 – von finanziell-frei-mit-30.de

Mit etwas Verspätung folgt nun der zweite Teil zum optimalen Steuersystem von meinem Bloggerkollegen Dominik! Ich hoffe er regt zum Nachdenken an. Die Leser meines und seines Blogs können übrigens ab jetzt bei der Wahl zum comdirect finanzblog award teilnehmen und uns ihre Stimme schenken! Wir würden uns freuen 🙂

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Das optimale Steuersystem: Passives Staatseinkommen – Teil 2

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich mich damit auseinandergesetzt, warum das Einkommen des Staates möglichst passiv sein sollte und welche Kosten die hohe Komplexität des deutschen Steuersystems nach sich zieht. Heute möchte ich darauf eingehen, wie die Komplexität gesenkt und dadurch Kosten gespart werden können.

Steuervielfalt

Staaten waren schon immer sehr erfinderisch, wenn es darum ging neue Abgaben und Steuern einzuführen. Auf der anderen Seite wird eine erstmals eingeführte Steuer nur selten wieder abgeschafft, auch wenn der ursprüngliche Zweck der Steuer vielleicht schon längst nicht mehr gegeben ist. So wurde die immer noch existierende Schaumweinsteuer zum Beispiel vor langer Zeit zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt.

Hierdurch kommen immer weitere Steuern dazu und das Steuersystem wird dadurch komplexer und ineffizienter. Die großen Steuern wie die Umsatz-, Einkommen- und Lohnsteuer werden die meisten Menschen wahrscheinlich noch kennen.

Wir machen mal ein kleines Spiel. Ich zähle einige Steuern auf und Du musst erraten, welche Steuer es nicht in Deutschland gibt:

Alkopopsteuer, Kaffeesteuer, Feuerschutzsteuer, Zündholzsteuer, Rennwett- und Lotteriesteuer und die Luftverkehrssteuer.

Ich wette, Du hast von einigen bestimmt noch nie etwas gehört. Die Alkopopsteuer wurde als Lenkungssteuer eingeführt, um Alkopops zu verteuern und so das Komasaufen von Jugendlichen einzudämmen. Die Kaffeesteuer trägt mit einem Steueraufkommen von 1 Milliarde Euro schon seit Jahrzehnten zum Bundeshaushalt bei. Die Feuerschutzsteuer ist eine Landessteuer, die auf die Versicherungsprämien für Feuerversicherungen erhoben wird. Mit der Rennwett- und Lotteriesteuer werden die Wetteinsätze für Pferderennen, Sportwetten und die Lotterie besteuert. Hier kamen im letzten Jahr auch 1,8 Milliarden Euro an Steuereinnahmen herein. Die Luftverkehrssteuer wird indirekt über das Flugticket bei einem Abflug innerhalb von Deutschland erhoben.

Einzig und allein die Zündholzsteuer gibt es nicht mehr. Hiermit wurden Streichhölzer besteuert. Das Steueraufkommen sank mit der Zeit immer mehr, sodass die Steuer 1981 in Deutschland abgeschafft wurde.

Steuerarten reduzieren

Das Steueraufkommen setzt sich aus insgesamt zwei Komponenten zusammen. Zum einen ist das die Anzahl der Steuerfälle. Das bedeutet jedes Mal, wenn eine Steuer in einem bestimmten Zeitraum entsteht, handelt es sich um einen Steuerfall. Zum Beispiel bei der Einkommensteuer ist das jede Person, die eine Steuererklärung abgibt. Bei der Kfz-Steuer ist das die Anmeldung des Autos.

Hierbei wird pro Steuerfall eine bestimmte Menge an Geld eingenommen. Damit setzt sich das Gesamtsteueraufkommen wie folgt zusammen:

Steueraufkommen = Anzahl der Steuerfälle x Höhe der Steuer pro Steuerfall

Ich bin der Meinung, dass es möglichst wenige Steuerfälle mit einem möglichst hohen Betrag pro Steuerfall geben sollte. Denn in der Praxis verursacht jeder Steuerfall immer Aufwand und auch Kosten.

Kosten des Steuerverfahrens

Zuerst muss ein Steuergesetz erlassen, die Steuern müssen festgesetzt, es muss überwacht werden, dass keine Steuern hinterzogen werden und wenn Steuern hinterzogen wurden, muss das geahndet werden. Wenn ein Beteiligter mit der Festsetzung der Steuer nicht einverstanden ist, kann er einen Einspruch einlegen und vor einem Finanzgericht klagen. Zusätzlich kommen noch viele andere Aspekte dazu, an den der Steuerlaie überhaupt nicht denkt, weil er damit nicht in Kontakt kommt.

Werden Steuern nicht bezahlt, muss der Schuldner gemahnt werden. Wenn er dann immer noch nicht zahlt, wird die Vollstreckung rausgehen und versuchen das Geld einzutreiben. Zudem müssen aufgrund von grenzüberschreitenden Steuerfällen für jede Steuer einzeln mit anderen Ländern Abkommen geschlossen werden, um diese Sachen zu regeln. Wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet und noch offene Steuerforderungen bestehen, müssen die Finanzbehörden mit dem Insolvenzverwalter in Kontakt treten und schauen, dass die Steuern irgendwie doch noch gedeckt werden. Daneben werden vielleicht noch extra Programme für die verschiedenen Steuern benötigt, die programmiert, gewartet und weiterentwickelt werden müssen. Zudem müssen die Finanzbeamten in den verschiedenen Steuersystemen ausgebildet werden.

Natürlich wird nicht in jedem Steuerfall gegen den Steuerbescheid Einspruch eingelegt und nicht jedes Unternehmen wird insolvent gehen. Diese ganzen einzelnen Aspekte machen allerdings das Steuerverfahren aufwendig und kostenintensiv. Der Aufwand hat allerdings kaum etwas mit der Höhe der Steuer pro Steuerfall zu tun. So macht ein Steuerbescheid über 5.000.000€ (was ich in der Praxis durchaus schon hatte) nicht mehr Arbeit als ein Steuerbescheid über 5€ (die Mindesthöhe, ab der in der Regel erhoben wird). Das sind jetzt beides natürlich Extremfälle, doch ich denke, daran wird deutlich, was ich mit der Ineffizienz bei vielen Steuerfällen meine.

Steuerfälle und Steueraufkommen in Deutschland

(Steuerfälle aus dem Jahr 2012, entnommen aus dem Flyer „Die Steuerverwaltung in Deutschland“ vom BMF, Steueraufkommen aus der veröffentlichten Übersicht des BMF)

Ich habe mal eine kleine Übersicht zu den größten Steuern in Deutschland erstellt. Diese vier Steuern machen bereits ungefähr über 80% des Steueraufkommens aus. Mit diesen vier Steuern kommen wir auf insgesamt 40 Millionen Steuerfälle bei einem Aufkommen von etwa 500 Milliarden Euro.

Neben diesen vier großen Steuern gibt es allerdings noch sehr viele weitere kleinere Steuern, die ich vorhin zum Teil ja bereits aufgezählt habe. Ich möchte euch jetzt mal kurz am Beispiel der Kraftfahrzeugsteuer verdeutlichen, was ich mit dem großen Aufwand meine.

Im letzten Jahr gab es ungefähr 60 Millionen Steuerfälle und es wurden knapp 9 Milliarden Euro eingenommen. Umgerechnet macht das eine Steuerhöhe von etwa 150€ pro Steuerfall. Im Vergleich dazu sind es bei der Umsatzsteuer pro Steuerfall über 30.000€. Das ist mehr als das zweihundertfache. Wenn wir die gleiche Steuerhöhe von 9 Milliarden Euro mit der Umsatzsteuer einnehmen wollten, müssten wir den Umsatzsteuersatz nur um 1% erhöhen. Damit hätten wir jedes Jahr 60 Millionen Steuerfälle weniger und könnten gleich viele Steuern bei deutlich niedrigeren Kosten einnehmen. Für die Erhebung der Umsatzsteuer macht es keinen großen Unterschied, ob der Umsatzsteuersatz jetzt 7%, 19% oder 20% beträgt, weil das nichts am Ablauf und Aufwand des Steuerverfahrens ändern würde.

Ich habe hier die Umsatzsteuer als Beispiel genommen, weil es meiner Einschätzung nach die effizienteste Steuer ist, auch wenn es hier noch Verbesserungspotential gibt.

Großen Teil der Steuern abschaffen

Meiner Meinung nach wäre aus ökonomischer Sicht das sinnvollste das benötigte Geld des Staates über möglichst wenig Steuern einzunehmen. Ich möchte das hier anhand der Umsatzsteuer erläutern. Natürlich kann man hier aus Gerechtigkeitsgründen und anderen politischen Zielen darüber diskutieren, ob das im Sinne einer Gesellschaft ist, die Steuern auf diese Art und Weise einzunehmen, weil indirekte Steuern nicht nach der individuellen Tragefähigkeit (=Höhe des Einkommens) besteuern und es so zu einer ungleichmäßigen Besteuerung kommt.

Die Umsatzsteuer besteuert den Konsum und damit werden die Unternehmen über den Vorsteuerabzug von der Steuer komplett entlastet. Zudem sind Privatpersonen unterschiedlich belastet. Wenn zum Beispiel Person A 20.000€ und Person B 100.000€ im Jahr verdient und sich beide ein Auto für 10.000€ Netto kaufen, wird Person A von der Umsatzsteuer auf dieser Ware deutlich stärker prozentual belastet.

Meiner Meinung nach werden solche Unterschiede dadurch ausgeglichen, dass die gesamte Gesellschaft in Summe deutlich weniger Steuern zahlen muss. Diese Thematik möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter vertiefen, weil damit auch Bücher gefüllt werden können.

Umsatzsteuer als einzige Steuer

Die Frage wäre, wie hoch wohl der Umsatzsteuersatz sein müsste, um alle Ausgaben zu decken. Im ersten Teil habe ich ja bereits ausgerechnet, dass viele Kosten gespart werden können, wenn die Komplexität und Ineffizienz des Steuersystems reduziert werden würde. Ich gehe davon aus, dass nur noch 600 Milliarden Euro benötigt werden würden.

Bisher wird bei der Umsatzsteuer noch zwischen dem reduzierten Umsatzsteuersatz von 7% und dem höheren Umsatzsteuersatz von 19% unterschieden. So findet der reduzierte Umsatzsteuersatz unter anderem auf bestimmte Lebensmittel und alle Bücher und Zeitschriften Anwendung. In einem späteren Teil werde ich noch näher darauf eingehen, warum es einen einheitlichen Umsatzsteuersatz geben sollte.

Der Buchhandel hatte in den letzten Jahren Umsätze von knapp 9 Milliarden Euro. Damit würde ein einheitlicher Umsatzsteuersatz in diesem Bereich Mehreinnahmen von mindestens 1 Milliarde Euro sichern. Der Lebensmittelhandel hatte einen Umsatz von knapp 175 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Selbst wenn nur die Hälfte dieser Umsätze dem reduzierten Umsatzsteuersatz unterliegt (was wahrscheinlich viel zu niedrig ist), würde eine Angleichung Mehreinnahmen von über 11 Milliarden Euro bringen. Neben diesen beiden Hauptbereichen findet der Umsatzsteuersatz von 7% auch noch Anwendung auf Kunstgegenstände, Sammlungsstücke wie Münzen, Rollstühle und Prothesen. Ich schätze die Mehreinnahmen aus diesem Bereich auf etwa 8 Milliarden Euro, sodass alleine die Angleichung des Umsatzsteuersatzes zu Mehreinnahmen von insgesamt 20 Milliarden Euro bei geringerem Aufwand und geringeren Kosten führt.

Bei einem einheitlichen Umsatzsteuersatz von 19% kämen wir damit auf Steuereinnahmen in Höhe von 230 Milliarden Euro. Nach einem einfachen Dreisatz käme ich hiermit auf einen Umsatzsteuersatz von 49,6%. Mit einem Umsatzsteuersatz von knapp 50% könnte der Staat viel effizienter seine gesamten Ausgaben decken.

Weil diese Hochrechnung auf vielen Annahmen beruht, bitte ich zu entschuldigen, dass ich Veränderungen in den legal versteuerten Umsätzen nicht berücksichtigen kann. So könnte es sein, dass durch die Steuerreform mehr Unternehmen angelockt werden und es dadurch auch viel mehr Umsätze in Deutschland geben würde. Auf der anderen Seite könnte die Schattenwirtschaft auch größer werden, weil die Leute eher versuchen werden die Steuer zu vermeiden und lieber illegal Dinge und Dienstleistungen verkaufen.

Trotz den vielen ökonomischen Vorteilen ist eine solche Steuergesetzgebung in Deutschland vermutlich nicht umsetzbar, weil dadurch den Menschen viel klarer werden würde, wie hoch die Abgabenquote in Deutschland ist und wie viel Geld von ihrem Einkommen an den Staat geht. Zudem würden hierdurch viele Beamte überflüssig werden und auch die ganzen steuerberatenden Berufe würden wegfallen. Schließlich bräuchte ich keinen Experten, wenn es in Deutschland nur eine Steuer mit einem einzigen Steuersatz gibt.

Stattdessen haben wir in Deutschland mindestens 20 verschiedene Bundes- und Landessteuern, die in der Summe viel mehr Geld vom Bürger einnehmen, deutlich höhere Kosten haben, aber dafür für den einzelnen nicht so stark sichtbar sind.

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